Der Lucky Biker: Der wahre Held des Tages

Mit dem Hollandrad beim Amstel Gold Race

Bei der Jedermann-Version des Amstel Gold Race am vergangenen Samstag habe ich oft den Satz gehört: „Das ist der wahre Held des Tages!“ Das galt eindeutig mir, weil ich mir nach vielen Teilnahmen am Amstel Gold Race für dieses Jahr vorgenommen hatte, das Rennen mit einem 8-Gang Hollandrad von Gazelle zu bestreiten. Man könnte jetzt meinen, dass es einfach ist, mit einem Hollandrad eine Strecke von 150 Kilometern zu fahren. Ja, de facto ist es das auch. Die Schwierigkeit beim Amstel Gold Race sind die Anstiege, die wie im Bergischen Land knackig sein können. Immerhin wartet die Schleife um Valkenburg in Süd-Limburg mit 1.400 Höhenmetern und mit steilen Anstiegen bis zu 22 Prozent wie beim berühmten Keutenberg auf. Bei dieser Challenge war mir der zeitliche Aspekt sehr wichtig: Ich wollte sehen, wie schnell ich die 150 Kilometer mit einem Hollandrad im Vergleich zum Rennrad überwinden kann. Bei genauerer Betrachtung dann also doch kein so leichtes Unterfangen.

Der Lucky Biker in Valkenburg

Valkenburg. Ich fülle die Reifen des Hollandrades mit ordentlich Luft, so dass der Rollwiderstand möglichst gering bleibt. Um die Effizienz der Kurbelumdrehungen zu steigern, schraube ich Klickpedalen an. So kann ich mit meinen Rennradschuhen einklinken und schneller fahren.

Ich rolle mit dem Hollandrad in Radbekleidung an den Start und füge mich ins Fahrerfeld ein. Sofort gibt es Reaktionen der anderen Fahrer auf mein bizarres Erscheinungsbild. Sie lachen, schmunzeln und sprechen über mich – ich falle auf jeden Fall ganz schön auf! Um das noch zu steigern, brause ich die ersten flachen Kilometer mit Vollgas an den vielen Rennradfahrern vorbei. Immer wieder sprechen mich die Leute darauf an und wollen mehr erfahren. Viele signalisieren mir, wie cool sie das finden: „Endlich mal jemand mit einem richtigen Fahrrad!“

Der Lucky Biker beim Amstel Gold Race

Mit jedem Kilometer wird das Terrain welliger und es kostet mich Mühe, den 20-Kilo-Koloss über die Hellinge, wie die Anstiege in Süd-Limburg genannt werden, zu drücken. Dennoch geht das wunderbar, der erste Gang ist dafür optimal abgestimmt. Unterbrochen werden die Hügelfahrten durch flache Passagen, in denen ich das Tempo wieder erhöhen kann. Hier fehlt mir ehrlicherweise ein Gang. Ein weiterer Gang oder eine andere Abstimmung würden mir eine höhere Geschwindigkeit ermöglichen.

Geulhemmerberg, Kruisberg, Keutenberg und Cauberg

Streng der Salami-Taktik folgend überfahre ich den Dreiländerpunkt, die höchste Erhebung der Niederlande mit rund 300 Metern Höhe, den Geulhemmerberg, den Kruisberg, den Keutenberg und zu guter Letzt den berühmten Cauberg in Valkenburg. Schnell merke ich, dass es deutlich anstrengender ist, eine solche Strecke mit dem Hollandrad anstatt mit dem Rennrad zu fahren. Aber ich komme in meinen Tritt und finde die besten Positionen und Trittfrequenzen. Obwohl ich mich mit dem Bike recht gut arrangieren kann, wünsche ich mir im letzten Drittel einfach nur noch das Ende herbei. Denn einerseits werden die Anstiege zum Ende hin immer saftiger und andererseits meine Beine immer schwerer. Am meisten fürchte ich den Anstieg des Keutenbergs und bin sicher, dass ich da wohl schieben muss. Ich traue mir nicht zu, den 22-prozentigen Anstieg mit dem Hollandrad zu nehmen. Ich denke sogar darüber nach, diesen Berg zu umfahren. Alles Quatsch! „Da fährst du jetzt auch noch drüber und wenn du schieben musst, dann ist das eben so.“

Gesagt, getan. Ich hänge also im Anstieg des Keutenbergs und presse mir alles an Kraft aus den Beinen, nur um nicht abzusteigen. Absteigen ist für mich wie aufgeben und passt so gar nicht in mein Konzept. Die Menge an Zuschauern, die sich diese Plackerei dort immer genüsslich vom Wegesrand anschaut, feiert meinen „Hollandradkampf“ gegen die Schwerkraft geradezu frenetisch. Die Meute ist begeistert, ich bin ergriffen vom Zuspruch und sichtlich stolz auf mich. Viele rufen: „Das ist der wahre Held des Tages!“ Ein Held bin zwar nicht wirklich, aber schon ein wenig durchgeknallt, mich mit hautengen Radlerklamotten, Helm und Klickpedalen in die Hügelprärie Hollands zu begeben, um gegen Rennräder ein Rennen zu fahren. Das finde ich selbst ziemlich abgefahren und es zaubert mir ein stetiges Grinsen ins Gesicht. Am Cauberg gebe ich dann noch mal alles, um auch diesen Schlussanstieg zu meistern.

Finisher Amstel Gold Race

Finisher beim Amstel Gold Race nach 7:29:19

Nach 7:29:19 Stunden überquere ich endlich die Ziellinie – zwei Stunden langsamer als im letzten Jahr mit dem Rennrad. Insgesamt lief es besser als gedacht, ich hatte wirklich mit größeren Schwierigkeiten gerechnet. Das Bike und meine Beine lieferten eine gute Leistung ab. Mein Bewegungsablauf und auch das Fahrverhalten des Rades waren gänzlich anders als ich es gewohnt bin, worauf ich mich aber schnell einstellen konnte. Ich bin dankbar, das Amstel Gold Race mit dem Hollandrad ohne Probleme bestritten zu haben. Meine Beine erinnern sich dank des Muskelkaters ob der ungewohnten Bewegungsabläufe noch ein paar Tage an dieses Abenteuer …

Das Gazelle Hollandrad beim Amstel Gold Race

Das werde ich so schnell nicht vergessen und es schreit nach Wiederholung! Gleichzeitig bin ich traurig, das tolle Gazelle Tour Populair T8 bald abgeben zu müssen. Aber immerhin wird sein neuer Besitzer mit Stolz behaupten können, dass sein Hollandrad offiziell „Amstel Gold Race Quality approved“ ist 😉

Euer Lucky Biker

Der Lucky Biker

Lucky Bike / Radlbauer Redaktion

Unsere Lucky Bike / Radlbauer Redaktion ist so vielfältig, wie unsere gesamte Unternehmensfamilie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen berichten über ihre Lieblingsthemen, schreiben News, berichten von Veranstaltungen oder testen regelmäßig Fahrräder, die wir in unseren Filialen oder im Online Shop anbieten. In der Redaktion sind unsere Kolleginnen und Kollegen versammelt, die vereinzelt Testberichte, Newsbeiträge oder informative Texte rund um das Thema Fahrrad schreiben. Die Testberichte unserer Redaktion spiegeln ihre Erfahrungen, Ergebnisse und Meinungen objektiv hier bei uns im Blog wider.