MTB-Schaltgruppen von Shimano & SRAM

Eine Übersicht über die gängigen Mountainbike-Schaltgruppen

Mountainbike Schaltungen im Vergleich - das wichtigste zu den MTB Schaltgruppen von Shimano und SRAM

Vor ein paar Wochen haben wir in einem ersten Beitrag zum Thema Schaltgruppen die Rennrad-Schaltgruppen von Shimano & SRAM unter die Lupe genommen. In diesem zweiten Beitrag widmen wir uns nun den Mountainbike-Schaltgruppen. Aufgrund der Vielfältigkeit von unterschiedlichen Einsatzgebieten sind die Ansprüche der Mountainbiker in Bezug auf die Schaltgruppen noch komplexer als die der Rennradfahrer. Genau diese Komplexität spiegelt sich auch im Angebot der beiden großen Hersteller (Shimano und SRAM) wider.

MTB Schaltgruppe Shimano Deore XT

Zur Schaltgruppe gehören die Kurbel mit dazugehörigen Kettenblättern (vorne), die Kassette (Ritzelpaket hinten), das Schaltwerk, der Umwerfer und die Kette. Auch die Schalthebel, die Bremse und die Bremshebel gehören genau genommen dazu. Anders als bei den Rennrädern finden sich bei den Schaltgruppen für Mountainbikes häufig Kombinationen einzelner Schaltgruppen-Elemente. Die Kombinationen sind insbesondere bei Shimano anzutreffen, da die Shimano-Schaltgruppen untereinander zum Teil kompatibel sind. So kann es vorkommen, dass ein SLX-Schaltgriff mit einem Deore XT Schaltwerk an einem MTB verbaut sind.

Wir versuchen mit diesem Beitrag einen ersten Einstieg zu geben und die Komplexität ein wenig zu reduzieren und stellen euch im Folgenden die verschiedenen MTB-Schaltgruppen von Shimano und SRAM vor.

Shimano & SRAM

Der japanische Hersteller Shimano hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1921 zum Marktführer im Bereich von Fahrradkomponenten entwickelt. In der Anfangszeit lag der Fokus auf der Entwicklung von Nabenschaltungen und Rennrad-Schaltgruppen. 1982 brachte Shimano mit der Deore XT die erste Schaltgruppe für Mountainbikes auf den Markt. Neben der Shimano XTR zählt die Deore XT auch heutzutage noch zum Topsegment der MTB-Schaltgruppen.

Der amerikanische Konkurrent SRAM kam 1987 auf den Markt für Rennrad- und MTB-Komponenten. Durch innovative Ansätze und als Vorreiter der Einfach-Kurbel hat sich SRAM einen Namen in der Fahrradbranche gemacht.

Einteilung der MTB-Schaltgruppen

Mit der folgenden Abbildung der verschiedenen Schaltgruppen der Hersteller Shimano und SRAM möchten wir einen groben Überblick nach Klassen zeigen – vom Einsteiger- zum Wettkampffahrer-Segment. Die Einsteiger, Freizeit- und ambitionierte Freizeitfahrer unterscheiden wir nur hinsichtlich ihres Anspruchs. Wettkampffahrer unterteilen wir hingegen zwischen Cross Country- (XC oder auch Marathon) und Downhill / Freeride-Fahrern.

MTB Schaltgruppen Übersicht

Einführung in die unterschiedlichen Kurbelgarnituren

Der aktuelle Trend bei Mountainbikes geht zu den Einfach- bzw. Zweifach-Antrieben. Das bedeutet, dass vorne lediglich ein bzw. zwei Ritzel zum Einsatz kommen. Im Wettkampfbereich kommen praktisch nur noch Einfach-Antriebe zum Einsatz. Im Einsteiger- und Freizeitfahrerbereich werden auch noch Dreifach-Antriebe verbaut.

Ein Nachteil der Einfach-Anriebe ist die geringere Bandbreite an zur Verfügung stehenden Gängen. Je nach Fahrertyp und Anforderungen können die fehlenden Gänge zu Problemen führen – insbesondere dann, wenn man eher ein Allrounder und weniger ein Spezialist ist.

Die Übersetzung der Mountainbikes wird über die Wahl der Kassette (die hinteren Ritzel bzw. das Ritzelpaket) und die vorderen Ritzel an der Kurbel geregelt. Bei den vorderen Ritzeln an der Kurbel bedeuten kleinere Ritzel (weniger Zähne) einen kleinen Gang, bei der Kassette ist es genau umgekehrt. Hier ermöglicht das größte Ritzel mit den meisten Zähnen den kleinsten Gang. Die Mischung aus beiden ergibt die Übersetzungsbandbreite. Diese ist nicht gleichzusetzen mit der Anzahl an Gängen. Wichtig beim MTB sind dabei vor allem die kleineren Gänge, die gerade an steilen Bergauf-Passagen relevant sind.

Die Kurbelarme bei Mountainbikes haben eine Länge zwischen 165 und 175 Millimetern. Die 165 Millimeter langen Kurbelarme werden vor allem im Downhill- und Freeride-Bereich eingesetzt, um mehr Bodenfreiheit zu erreichen. Auch bei kleineren Rahmen werden tendenziell kürzere Kurbelarme verbaut.

Die Einsteiger: Shimano Altus, Shimano Acera, (Shimano Tourney) und SRAM X5

Für die Einsteiger im MTB-Segment bietet Shimano eigentlich zwei Schaltgruppen: Altus und Acera. Die Shimano Tourney wird im Einsteigerbereich der Mountainbikes zwar auch verbaut, ist aber keine klassische MTB-Schaltgruppe.

Die Altus-Gruppe ist für den ersten Off-Roadeinsatz geeignet. Sie wird mit einer Dreifachkurbel (3×7-, 3×8- und 3×9-fach) verbaut. Fahrer haben die Wahl zwischen klassischen V-Brakes oder Scheibenbremsen.

Preislich liegen MTB und Crossbikes mit einer Tourney- oder Altus-Schaltgruppe bei 150 bis 400 Euro und bilden somit das günstigste Preissegment.

Die Acera-Ausstattung ist etwas hochwertiger als die Altus. Trotzdem wird sie noch zur Einsteiger-Schaltgruppe gezählt. Die Shimano Acera wird wie die Altus-Gruppe mit einer 7-, 8- oder 9-fach Kassette angeboten. Im Gegensatz zur Altus-Gruppe hat man bei der Kurbel die Wahl zwischen einer Zweifach- oder Dreifach-Kurbel. Eine hydraulische Scheibenbremse komplettiert diese Ausstattung.

Die Acera-Schaltgruppe findet sich an Mountainbikes in einem Preissegment von 400 bis etwa 600 Euro.

SRAM bietet mit der X5 nur eine Schaltgruppe für Einsteiger im Mountainbike- und Crossbike-Segment an. Die Kurbel der SRAM X5 hat zwei Kettenblätter und die Kassette hat zehn Ritzel. Die X5 wird demnach als 2×10-fach ausgeliefert und vorzugsweise an günstigeren Hardtails verbaut.

Die Freizeitfahrer: Shimano Alivio und SRAM X7

Für das Segment der Freizeitfahrer sind die Shimano Alivio und die SRAM X7 geeignet.
Die Alivio Komponenten bieten eine bessere Schaltperformance als ihre Geschwister aus dem Einsteiger-Segment. Die Hersteller bieten sie daher bei Mountain- und Trekkingbikes in einem Preissegment von 500 bis 800 Euro an.

Die Shimano-Kurbelgarnituren in diesem Segment reichen – wie bei der Acera – von zweifach bis dreifach und haben jeweils neun Ritzel (2×9-fach und 3×9-fach). Hydraulische Bremshebel und Scheibenbremsen sind bei der Alivio Standard.

SRAM bietet in diesem Bereich die X7-Schaltgruppe an. Sie wird mit einer 2×10-fach Kurbelgarnitur angeboten. Die SRAM X7 ist für die ersten Einsätze auf Trails geeignet.

Die ambitionierten Freizeitfahrer: Shimano Deore, Shimano SLX, SRAM X9, SRAM NX, SRAM GX, SRAM GX Eagle, SRAM X1, SRAM X0

Wer ein Mountainbike im mittleren oder oberen Preissegment kaufen möchte, erhält meist einen einfach- oder zweifach-Antrieb. In diesem Preissegment liegt eine 1×11 Übersetzung bei der Shimano SLX, SRAM NX, SRAM GX, SRAM GX Eagle und der SRAM X1. In diesem Bereich setzt lediglich die Shimano-Deore-Gruppe noch auf die 2×10 Übersetzung. Zum Teil ist die Deore auch noch mit einer 3-fach Kurbel erhältlich.
Der Einfach-Antrieb richtet sich vor allem an ambitionierte Freizeit- und Wettkampffahrer.

SRAM hat mit der EX1 eine Schaltung speziell für E-Mountainbikes entwickelt. Mit nur acht Gängen und 11 bis 48 Zähnen erhält man mit der SRAM EX1 eine Bandbreite von 436 Prozent.

Die Shimano Deore wird mit einer zweifach- oder dreifach-Kurbel und einer 10-fach-Kassette geliefert (2×10-fach oder 3×10-fach). Die Deore-Ausstattung glänzt mit Funktionalität und Souveränität. Sie ist die beliebteste Schaltgruppe bei Mountainbikes auf dem Markt. Meist gehört dazu eine hochwertige, hydraulische Scheibenbremse.

Setzt man die Shimano SLX nun in den Vergleich zur Deore-Gruppe, zeigt sich eine deutlich bessere Schaltperformance. Denn auch sie erhält immer wieder Upgrades aus der höheren XTR Version. Die aktuelle SLX-Variante ist je nach Wunsch mit 1×11-, 2×11- oder 3×11-fach lieferbar.

Die SRAM X9 ist die Einstiegs-Schaltgruppe in der Kategorie ambitionierte Freizeitfahrer und kann sowohl auf Trails als auch bei Ganztagestouren gefahren werden. Sie ist vergleichbar mit der X7 und wird auch als 2×10-fach angeboten. In der X9 wird im Vergleich zur X7 jedoch hochwertigeres Aluminium und an einigen Stellen Stahllegierungen verbaut.

SRAM greift verstärkt auf 1×11 zurück. Die SRAM NX ist die günstigste Variante eines Einfach-Antriebs. Einfachheit und Widerstandsfähigkeit stehen dabei im Vordergrund.
Die SRAM GX bietet eine breite Bandbreite an Übersetzungen. Sie wird als 1×7, 1×11, 1×12 oder 2×11-fach angeboten. Durch die vielen Möglichkeiten in der Übersetzung gleicht sie der X7, X9 und der höherwertigen X1.

Von der Vielfältigkeit kann da nur die SRAM X1 mithalten. Die 1×11-fach Kurbel kann sowohl auf Cross-Country-Touren als auch bei All-Mountain-Fahrten glänzen. Qualität und Langlebigkeit zeichnet die X1 aus. Die X1 bietet ein 30er, 32er, 34er, 36er oder 38er Kettenblatt an. Die hohlgeschmiedeten Kurbelarme sparen deutlich an Gewicht.

Auch die SRAM X0 haben wir in diesem Segment angesiedelt, obwohl sie sicher auch in den Wettkampfbereich eingeordnet werden könnte. Sie ist aus Carbon gefertigt, entsprechend leicht und kommt in folgenden Übersetzungen daher: 1×10, 1×11, 2×10 und 2×11.

Der Wettkampffahrer (Cross Country): Shimano Deore XT, Shimano Deore XT Di2, Shimano XTR, Shimano XTR Di2, SRAM XX, SRAM XX1 und SRAM XX1 Eagle

Bei den Wettkampffahrern unterscheiden wir in unserem Überblick wie oben angedeutet nach zwei verschiedenen Einsatzgebieten: Zum einen betrachten wir Cross Country (XC / Marathon) zum anderen Downhill / Freeride.

Im Bereich Cross Country gibt es den Klassiker der MTB-Schaltgruppen: die Deore XT und zusätzlich die elektronische Variante, die Deore XT Di2.
Kurz vorab: Ob man eine elektronische oder mechanische Schaltung wählt, ist eine sehr individuelle Entscheidung und nicht Teil dieses Beitrags. Die Wahl zwischen elektronischer und mechanischer Schaltung sollte nach einer umfänglichen Recherche oder Fach-Beratung erfolgen. Beide Versionen weisen Vor- und Nachteile auf.

36 Jahre ist es mittlerweile her, dass Shimano das Deore XT Schaltwerk auf den Markt brachte und damit die erste Schaltgruppe, die speziell für Mountainbikes entwickelt wurde. Die aktuelle Deore XT M8000-Ausführung gibt es 1×11-, 2×11- und 3×11-fach. Rein optisch hat sich die Deore XT in der aktuellen Version ihrer großen Schwester, der Shimano XTR, angenähert. Sie kommt optisch sehr hochwertig daher, ist nach wie vor sehr robust und schaltet zuverlässig.

Auch die Shimano XTR gibt es in der mechanischen und elektronischen Variante. Shimano selbst nennt sie die fortschrittlichste Mountainbike-Komponente aller Zeiten. Im Gegensatz zur Deore XT ist sie wirklich eindeutig auf den Wettkampffahrer ausgelegt. Die Shimano XTR gibt es in drei Versionen: 1X11-, 2×11 und 3×11-fach. Die XTR ist der Porsche unter den Shimano-Schaltwerken. Das geringe Gewicht und die Zuverlässigkeit zeichnen die XTR aus.

Nachtrag Mai 2018:
Ende Mai 2018 hat Shimano eine überarbeitete XTR auf den Markt gebracht, die Shimano XTR M9100. Diese verfügt über eine 12-fach-Kassette. Sie wird als 1×12-fach und 2×12-fach produziert. Auch eine 1×11-fach XTR wird es weiterhin geben. Die zwölf Ritzel der Kassette haben folgende Zähne: 10-12-14-16-18-21-24-28-33-39-45-51.

Die amerikanischen Konkurrenten von SRAM in diesen Segmenten sind die SRAM XX (2×10-fach) und die SRAM XX1 (1×11-fach). Beide sind lange im Rennsport etabliert und insbesondere aufgrund ihres geringen Gewichts sehr attraktiv.
Die neue XX1 Eagle (1×12) Schaltgruppe von SRAM bietet mit ihrem zwölften Ritzel (50er Ritzel) eine noch größere Bandbreite. Hervorzuheben ist, dass der Schaltvorgang vom 42er auf das 50er Ritzel hierbei genauso geschmeidig erfolgt wie bei den anderen Gängen.

Der Wettkampffahrer (Downhill/Freeride): Shimano ZEE, Shimano Saint, SRAM X01 und SRAM X01 Eagle

Für all diejenigen, die sich im Downhill wohlfühlen, gibt es spezielle Downhill-Schaltgruppen. Die hier aufgeführten Modelle sind sowohl für Profis als auch ambitionierte Wettkampffahrer gedacht.

Shimano bietet mit der ZEE und der Saint in diesem Bereich zwei Schaltgruppen an. Beide Schaltwerke sind für einen radikalen Fahrstil ausgelegt und insofern für Wettkampffahrer auf Downhillstrecken geeignet.
Die Shimano ZEE ist mit einem 1×10-fachen Antrieb ausgestattet und mit 34, 36 und 38 Zähnen erhältlich. Die Kurbelgarnitur ist entsprechend robust.
Die Shimano Saint geht noch einen Schritt weiter in Richtung Radikalität. Sie wurde für Downhill-Profis oder diejenigen, die es werden wollen, entwickelt. Die Saint steht für Robustheit und Stabilität, auch unter radikalsten Bedingungen.

Auch SRAM bedient die gleiche Zielgruppe. Mit der X01 und der X01 Eagle bietet SRAM den Downhill-Profis zwei Schaltungen. Die nur 800 Gramm schwere Downhill Kurbel bietet mit dem Schaltwerk eine 1×7-fach Übersetzung, die leicht ist und präzise schaltet.
Das X01 Eagle-Schaltwerk ist durch den Einsatz von Carbon noch leichter und bietet mit der sogenannten Eagle Kassette zwölf Ritzel mit zehn bis 50 Zähnen (1×12-fach).
Insofern richten sich auch diese beiden SRAM Schaltgruppen an Downhill-Profis und absolute Downhill-Nerds.

Fazit der MTB-Schaltgruppen

Diese Übersicht soll einen ersten Überblick über die verschiedenen Schaltgruppen für Mountainbikes bieten. Für welche Schaltgruppe man sich letztlich entscheidet, obliegt logischerweise hauptsächlich individuellen Ansprüchen und Geldbeuteln. Wenn man sich selbst nicht als absoluten Fahrrad-Nerd bezeichnet, raten wir vor der finalen Entscheidung für eine Schaltgruppe zu einer Fachberatung.

Andreas

Andreas hat im Grundschulalter schon an seinem Fahrrad geschraubt, um den BMX Fahrern Konkurrenz zu machen. Ein paar Jahre später hat er das Rennrad seiner Schwester heimlich für die ersten Ausfahrten genutzt und seit ein paar Jahren fährt er quer durch Europa – mit oder ohne Gepäck, mit dem Rennrad, dem MTB oder dem Tourenbike. Und das Schrauben übernimmt er immer noch selbst, auch wenn er seit 2010 für Lucky Bike im Onlinemarketing Team ist. Hier findest du alle Beiträge von Andreas.

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