Vor- und Nachteile der 1-fach-Schaltung

1-fach oder 2-fach-Schaltung an Gravel- und Mountainbikes

In der Welt der Fahrräder gibt es regelmäßig Weiterentwicklungen, die am Ende dafür sorgen, dass das Biken noch besser wird. Häufig war in den letzten Jahren das Mountainbike dabei ein treibender Faktor. Bauteile wie Federgabeln oder Scheibenbremsen, die heutzutage selbstverständlich sind, kamen zuerst bei Mountainbikes zum Einsatz. In den letzten Jahren haben sich an immer mehr MTBs die sogenannten 1-fach-Antriebe (auch „1x“ oder „one-by“-Schaltung) etabliert, welche vorne ohne Umwerfer, also mit nur einem Kettenblatt auskommen. Dieser Trend setzt sich teilweise auch an Rennrädern und Gravelbikes fort. In diesem Blogbeitrag wollen wir dir die Vor- und Nachteile des 1-fach-Antriebs aufzeigen und erklären, wo dieser besonders glänzen kann.

Noch vor etwa zehn Jahren war der Umwerfer an sportlichen Rädern nicht wegzudenken. Gleichzeitig sorgte der vordere Bereich bei Kettenschaltungen immer wieder für Probleme. Besonders in Wettkämpfen zeichnete sich ab, dass dieser beim Versagen der Schaltung oft beteiligt war. Man muss natürlich kein Radprofi sein, um bereits von einer abgesprungenen Kette aufgehalten worden zu sein. Bei älteren Kettenschaltungen mit drei Kettenblättern klapperte die Kette im Gelände nicht nur ständig, sondern sprang oftmals ab oder verklemmte sich zwischen Kurbel und Rahmen. Insbesondere Mountainbikerinnen und Mountainbiker dürften diese Situation schon einmal erlebt haben. 

1-fach-Schaltung am Mountainbike

Im Jahr 2012 schlug SRAM mit der Vorstellung der „SRAM XX1“ ein neues Kapitel auf. Der Hersteller verzichtete bei der neuen 1×11-Mountainbike-Schaltung auf einen Umwerfer und entwickelte ein spezielles Kettenblatt, das die Kette effektiv davon abhält, abzuspringen. Die nötige Bandbreite an Gängen wurde durch eine größere Kassette realisiert. Mit den 1×12 „Eagle“-Schaltgruppen perfektioniert SRAM diesen Ansatz und scheint sich zumindest im MTB-Sektor auf 1-fach-Schaltungen festgelegt zu haben. Die Hersteller von (E-)Mountainbikes freuen sich über den Trend, denn mit dem Wegfallen des Umwerfers können völlig neue Rahmenformen – insbesondere bei Fullys und E-Fullys – umgesetzt werden.

Der Marktführer Shimano kam etwas später in die Gänge und stellte seine erste 1-fach-Gruppe im Jahr 2015 vor. Mittlerweile ist der beliebte Hersteller aus Japan aber wieder auf Kurs und bietet 1×12-Schaltgruppen auf Deore-, SLX-, Deore XT- und XTR-Level an. Shimano stellt sich zudem etwas breiter auf und bietet die genannten Gruppen auch weiterhin mit Umwerfer an.

Weitere Informationen findest du in unserem Blogbeitrag: MTB-Schaltgruppen von Shimano & SRAM

Bei vollgefederten Mountainbikes und E-Mountainbikes mit Mittelmotor führt kaum ein Weg an einer 1-fach-Schaltung vorbei. Besonders bei abfahrtsorientierten Bikes wie Enduro-MTBs überwiegen die Vorteile der 1x-Systeme. Dennoch ist der Umwerfer nicht ganz tot, denn 2-fach-Schaltungen kommen weiterhin bei einigen Cross-Country-Mountainbikes zum Einsatz, da einige Fahrerinnen und Fahrer beim Bergauffahren eine größere Anzahl an Gängen bevorzugen.

1-fach-Schaltung am Rennrad und Gravelbike

Auch abseits vom Mountainbike gibt es Fälle, in denen eine 1-fach-Schaltung sinnvoll ist. Wer sich mit Cyclocross- oder Gravel-Bikes regelmäßig ins Gelände wagt, wird die geländegängigen 1-fach-Schaltungen von SRAM und Shimano schätzen lernen. Beide Hersteller bieten die Rennrad-Schaltungen aber nach wie vor auch mit Umwerfer (= 2-fach) an. Mit der GRX-Gruppe bietet Shimano seit 2020 sogar eine eigene 1-fach-Schaltgruppe für genau den oben beschriebenen Zweck an.

Weitere Informationen findest du in unserem Blogbeitrag: Shimano GRX: Spezielle Schaltgruppe für Gravel-Bikes

Im Gegensatz zum Mountainbike überwiegen bei Rennrädern die Vorteile von lediglich einem Kettenblatt etwas weniger. Auf längeren Touren oder bei höheren Geschwindigkeiten sind die 2-fach-Antriebe mit ihrer größeren Anzahl an Gängen den 1-fach-Antrieben überlegen. Zudem bieten auch die 2-fach-Schaltungen dank der Schaltwerke mit zusätzlicher Dämpfung (Shimano Shadow+ oder SRAM Type 3) eine hohe Sicherheit in unruhigem Terrain. 

Vorteile und Nachteile von 1-fach-Schaltungen:

Vorteile

  • weniger Gewicht
  • aufgeräumtere Optik
  • verbesserte Kettenführung
  • anfälliger Umwerfer fällt weg
  • „Verschalten“ kaum mehr möglich
  • einfachere Reinigung und bessere Schmutzresistenz

Nachteile

  • Bei 1×11 geringere Übersetzungsbandbreite
  • 1×12-Fach-Schaltungen sind noch relativ teuer
  • größere Gangsprünge
  • weniger Gänge

Fazit:

Schlussendlich bleibt es eine individuelle Entscheidung, welche Vorlieben du hast und was dir wichtig ist. Wenn du mit deinem Gravel-, Cyclocross-, oder Mountainbike häufig anspruchsvolle Trails fährst, bist du wahrscheinlich mit dem geländetauglichen 1-fach-Antrieb gut bedient. Die 2-fach-Systeme lohnen sich hingegen für alle, die den Fokus eher auf Touren legen und sich mehr als 12 Gänge wünschen. 

Tipp: Je besser der Wartungszustand einer Schaltung, desto besser die Funktion. Hier findest du Hinweise zur Pflege und Wartung.

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Veröffentlicht am 18. Mai 2021

Jan K.

Jan entdeckte 2012 durch ein Youtube Video aus dem legendären Whistler Bikepark seine Begeisterung für Mountainbikes. Von seinem Taschengeld kaufte er sich ein Dirtbike und stellte fest, dass ihm nicht nur das Fahren sondern auch das Schrauben am Rad großen Spaß macht. Die logische Konsequenz: Statt zu studieren machte er lieber eine Ausbildung in der Werkstatt der Lucky Bike Filiale in Dortmund. Während der Lehre wuchs auch der eigene Fuhrpark stetig an. Wieviele Fahrräder er mittlerweile besitzt? Das weiß er selbst nicht so genau.

Mit derselben Leidenschaft arbeitet er seit 2019 im Onlinemarketing bei Lucky Bike / Radlbauer.