Von Claris bis Dura-Ace, von Apex bis Red AXS: Welche Gruppe passt zu deinem Budget und Einsatzzweck?

Shimano und SRAM Schaltgruppen für Rennrad und Gravel im Vergleich​

Die Frage nach der „richtigen“ Schaltgruppe ist am Rennrad oft eine Glaubensfrage. Während Shimano von vielen als zuverlässige, unauffällig funktionierende Schaltung bevorzugt wird, ist SRAM dank Innovationen wie der kabellosen AXS-Technologie bei einigen Enthusiasten der Favorit. Natürlich bauen beide Hersteller hochfunktionale Schaltgruppen – aber sie wirken durchaus unterschiedlich in ihrer „Persönlichkeit“.
Zwei Radfahrer auf kurviger Bergstraße, ausgestattet mit Shimano und SRAM Schaltgruppen, vergleichen Leistung.

Kurzer Rückblick und Ausblick
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Seit der Vorstellung der bekannten Dura-Ace-Gruppe 1973 hat sich Shimano im Rennradsport – langsam aber sicher – gegenüber Campagnolo durchgesetzt.

Der Rennrad- und Gravelbereich wird aktuell von Shimano und SRAM dominiert. Der italienische Hersteller Campagnolo bleibt eine eher kleine, hochpreisige Nische. Die Angebote der Fahrradhersteller spiegeln das genauso wider wie der Blick ins Profi-Peloton: Von den 18 Teams setzten bei der Tour de France 2025 13 auf Shimano, 4 auf SRAM und 1 Team auf Campagnolo. Es gibt allerdings Gerüchte, dass sich die Verteilung zugunsten SRAM 2026 in Richtung 50/50 bewegen soll.

Rennrad-Schaltgruppen von Shimano & SRAM im Detail

Durch die Einordnung der Gruppen in Ausstattungs- und Preisklassen wird schnell klar, dass sich SRAM eher im sportlichen Mittel- und Oberklassebereich bewegt, während Shimano die komplette Bandbreite vom günstigen Einsteiger- bis zum Profi-Rad abdeckt. Gleichzeitig lassen sich die Gruppen der beiden Hersteller aufgrund unterschiedlicher Philosophien, Preise und Zielgruppen nur bedingt direkt vergleichen. Trotzdem hilft es, die Rennrad- und Gravel-Gruppen anhand der drei Level des Bike-Guides zu betrachten, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede besser zu verstehen.

Level / Preisbereich Kompletträder Shimano (mechanisch) Shimano (elektronisch) SRAM (mechanisch) SRAM (elektronisch)
Einstiegsklasse (ab ca. 1.000,00 €) CUES, vereinzelt noch Claris, Sora und Tiagra
Mittelklasse (ab ca. 2.000,00 €) 105 R7100, GRX 400/600 (Gravel) 105 Di2, GRX Di2 (Gravel) Apex, Rival Apex AXS, Rival AXS
Spitzenklasse (ab ca. 3.000,00 €+) GRX 820 (Gravel) Ultegra Di2, Dura-Ace Di2, GRX 820/825 Di2 Force AXS, Red AXS
Mechanische Shimano Tiagra 2x10 Schaltgruppe am Trek Domane ALR 4 2025

Level 1: Einstiegsklasse (Rennräder ab ca. 1.000,00 Euro)

In der Einstiegsklasse hat Shimano nach wie vor klar die Nase vorn. Günstige Rennräder wie das Trek Domane AL oder das Cube Attain in diesem Bereich sind mit Claris oder Sora ausgestattet, gelegentlich auch mit Tiagra. Während Claris und Sora noch mit Felgenbremsen zu finden sind, bringt die Tiagra-Gruppe bereits moderne hydraulische Scheibenbremsen mit. Alle drei Gruppen setzen auf klassische mechanische Schaltung mit dem Shimano-typischen STI-System, bei dem Brems- und Schalthebel in einer Einheit integriert sind. Claris bietet acht, Sora neun und Tiagra zehn Ritzel am Hinterrad. Perspektivisch sollen diese drei Systeme jedoch durch die neue Shimano-CUES-Plattform mit 9-, 10- und 11-fach-Optionen abgelöst werden. Mit der GRX 400 (2×10) bietet Shimano auch eine erschwingliche Gruppe für Gravelbikes in diesem Preisbereich.

Mechanische SRAM Apex XPLR 1x12 Schaltgruppe am Trek Checkpoint ALR 5 2026

Für alle, die ihr erstes Rennrad suchen, führt deshalb kaum ein Weg an Shimano vorbei. SRAM ist in dieser reinen Rennrad-Einsteigerklasse kaum noch vertreten und taucht meist nur auf Gravelbikes in Form der Apex-1×12-Schaltung auf, beispielsweise am Trek Checkpoint ALR 5 2026.

Mechanische Shimano 105 R7100 Schaltgruppe am Cube Attain SLX 2026

Level 2: Mittelklasse (Rennräder ab ca. 2.000,00 Euro)

Wer ein leichteres Rennrad mit spürbar besserer Performance sucht, landet in der Mittelklasse. Hier ist die Auswahl an sportlichen Bikes für ambitionierte Hobby- und Amateurfahrer:innen groß, und das spiegelt sich auch bei den Schaltgruppen wider. 

Die aktuelle mechanische 105 R7100 bietet bereits 2x12 Gänge. Darüber rangiert 105 Di2, die stark an Ultegra angelehnt ist und elektronisches Schalten in einer noch bezahlbaren Preisklasse ermöglicht – beispielsweise am Cube Attain C:62 SLX für 2.499,00 Euro.

Elektronische Shimano 105 R7150 Schaltgruppe am Cube Attain C:62 SLX 2026

Die Rival AXS ist gewissermaßen das SRAM-Pendant zu 105 Di2: eine voll kabellose 12-fach-Schaltung, die allerdings häufig erst knapp unterhalb der 3.000 Euro an Rädern verbaut wird – wahlweise mit klassischem 2x-Antrieb oder als 1x-Variante mit XPLR-Kassette für Gravel und Allroad. In der Summe hat Shimano in der Mittelklasse mehr mechanische Optionen und eine sehr starke 105-Linie, während SRAM sich eher auf den oberen Preisbereich konzentriert. Apex 12-fach und Apex AXS bedienen eher den gravelorientierten Teil der Mittelklasse und kombinieren einfache 1x-Antriebe mit großen Übersetzungsbandbreiten. Shimano bietet im Gravelbereich ab ca. 2.000,00 € die GRX 400 (2×10) und GRX 600 (1x sowie 2×11) an.

Level 3: Spitzenklasse (Rennräder ab ca. 3.000,00 Euro)

In der Spitzenklasse geht es um maximale Performance: geringes Gewicht, höchste Schaltpräzision und beste Bremsleistung. Mechanische Topgruppen spielen hier kaum noch eine Rolle, sowohl bei Shimano als auch bei SRAM dominiert die Elektronik. Shimano schickt Ultegra Di2 und Dura-Ace Di2 ins Rennen. Ultegra Di2 gilt dabei als vielleicht beste Allround-Schaltgruppe überhaupt, weil sie funktional nahezu identisch mit Dura-Ace ist, aber deutlich günstiger daherkommt. Dura-Ace Di2 markiert das absolute High-End mit nochmals geringerem Gewicht, edleren Materialien und Übersetzungsoptionen (wie etwa einer 54-40-Kurbel), die sich direkt am Profi-Peloton orientieren. Im Gravel-Bereich bietet Shimano mit GRX 820 und 825 Di2 ebenfalls High-End-Gruppen, die speziell für schnelle Gravelbikes konstruiert wurden.

Sram Red XPLR AXS™ 1x13 Schaltgruppe am Cube Nuroad C:62 SLT

SRAM deckt dieses Level mit Force AXS und Red AXS ab. Force AXS ist in vielen Punkten die direkte Antwort auf Ultegra Di2 und bietet eine sehr leichte, voll kabellose 12-fach-Schaltung mit breitem Einsatzspektrum von klassischem Rennrad bis hin zu XPLR-Gravelaufbauten. Red AXS bildet das technologische und gewichtsmäßige Flaggschiff, das man an vielen WorldTour-Rädern und High-End-Gravelbikes findet. Hier werden konsequent leichte Materialien, ausgefeilte Ergonomie und hochentwickelte Bremsen kombiniert. Dass sowohl Force als auch Red AXS in Road- und Gravelvarianten erhältlich sind, zeigt gut, wie stark SRAM seine High-End-Plattform auf moderne, vielseitige Gravel- und Allroadbikes ausgerichtet hat.

Mechanische Shimano 105 R7100 Schaltgruppe am Cube Attain SLX 2026

Wie unterscheiden sich die Schaltungen von Shimano und SRAM?

Mechanisch: Shimano STI versus SRAM DoubleTap

Auch wenn sich die Antriebe technisch immer weiter annähern, bleiben die Unterschiede in der Bedienung ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal – vor allem bei den mechanischen Gruppen.

Shimano setzt bei Claris, Sora, Tiagra und der mechanischen 105 auf das bekannte STI-System:

  • Der große Bremshebel kann seitlich bewegt werden und übernimmt in dieser Bewegung eine Schaltfunktion.
  • Ein kleinerer Hebel dahinter schaltet in die andere Richtung.

So hast du pro Seite zwei Hebel, die klar voneinander getrennt sind: Einer bremst und schaltet, der andere schaltet nur.

SRAM verfolgt mit DoubleTap einen anderen Ansatz:

  • Der Bremshebel bremst ausschließlich.
  • Ein separater Schalthebel dahinter übernimmt beide Schaltrichtungen.
  • Ein kurzer Klick bewegt die Kette auf ein kleineres Ritzel (schwererer Gang).
  • Ein weiter durchgezogener Hebelweg bewegt das Schaltwerk aufwärts (leichterer Gang).

Welche Variante dir besser liegt, ist am Ende Geschmackssache. Viele empfinden den einzelnen Hebel von SRAM als intuitiv und aufgeräumt. Ist man Shimano gewohnt, kann das anfangs etwas verwirrend sein.

Elektronische Shimano 105 R7150 Schalthebel am Cube Attain C:62 SLX 2026

Elektronisch: Shimano Di2 versus SRAM AXS

Auch bei den elektronischen Gruppen gibt es kleine, aber feine Unterschiede.

Shimano Di2 arbeitet mit zwei Tasten pro Seite. Dabei kann die Tastenbelegung über die E-Tube App frei konfiguriert werden. Standardmäßig sind die Schalthebel wie gewohnt konfiguriert.

  • links = Umwerfer
  • rechts = Schaltwerk


SRAM eTap AXS nutzt das Schema:

  • rechts = schwerer
  • links = leichter
  • beide zusammen = Kettenblattwechsel

Bei Shimano gibt es (Stand 2025) meist noch einen zentralen Akku im Rahmen, der über einen Anschluss am Schaltwerk geladen wird. Bei SRAM können die Akkus an Schaltwerk und Umwerfer zum Laden entnommen werden. Dafür ist der Akku bei Shimano größer und hält dementsprechend länger.

Für die Entscheidung „Shimano oder SRAM“ spielt daher weniger die reine Technik eine Rolle, sondern vor allem, welche Schaltlogik dir sympathischer ist und welches System besser zu deinem Einsatzzweck und Budget passt.

SRAM Rival XPLR AXS am Trek Checkpoint SL

Fazit

Für welche der beiden Marken man sich entscheidet, bleibt für viele Rennradfans eine Glaubensfrage.

  • Shimano punktet mit einer enormen Verbreitung, einem sehr großen Spektrum von Gruppen mit starker Preis-Leistung und einer hervorragenden Ersatzteilversorgung.
  • SRAM setzt auf Innovation, kabellose AXS-Technologie, starke 1x-Setups und eine klare Performance-Ausrichtung im Mittel- und Oberklassebereich.

Am Ende entscheiden dein Budget, dein Einsatzzweck und deine persönlichen Vorlieben bei Schaltlogik, Design und Technik darüber, ob du eher im Shimano- oder im SRAM-Lager glücklich wirst – falsch machst du mit beiden in Sachen Funktion kaum etwas.

Wenn du nach dem Lesen noch unsicher bist, komm gerne in einer unserer Lucky Bike Filialen vorbei: Dort kannst du Räder mit Shimano- und SRAM-Gruppen live vergleichen, die Schaltlogik selbst testen und natürlich probefahren. Unsere Lucky Guides beraten dich gern persönlich und helfen dir, die passende Schaltgruppe für dein Rennrad oder Gravelbike zu finden.

Jan entdeckte 2012 durch ein Youtube Video aus dem legendären Whistler Bikepark seine Begeisterung für Mountainbikes. Von seinem Taschengeld kaufte er sich ein Dirtbike und stellte fest, dass ihm nicht nur das Fahren sondern auch das Schrauben am Rad großen Spaß macht. Die logische Konsequenz: Statt zu studieren machte er lieber eine Ausbildung in der Werkstatt der Lucky Bike Filiale in Dortmund. Während der Lehre wuchs auch der eigene Fuhrpark stetig an. Wieviele Fahrräder er mittlerweile besitzt? Das weiß er selbst nicht so genau. Mit derselben Leidenschaft arbeitet er seit 2019 im Onlinemarketing bei Lucky Bike.

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