Eine Übersicht über die gängigen Rennrad-Schaltgruppen

Rennrad-Schaltgruppen von Shimano & SRAM

Die Kettenschaltung, wie wir sie heute kennen, entstand größtenteils im Rennradsport. Dabei hatte sie zu Beginn nicht nur Fans. Henre Desgrange, der Erfinder der Tour de France, beschrieb die Gangschaltung sogar mal als unsportlich. Bis in die 1980er Jahre war der italienische Hersteller Campagnolo das Maß aller Dinge im Rennrad-Bereich. Heutzutage sind es vor allem die Marken Shimano und SRAM, die im Bereich der Schaltung und der Bremsen bei Rennrädern zum Einsatz kommen.

Die Marktführer: Shimano & SRAM

Seit der Vorstellung der bekannten Dura-Ace-Gruppe 1973 hat sich Shimano im Rennradsport – langsam aber sicher – gegenüber Campagnolo durchgesetzt. Bei der Tour de France 2020 fuhren 17 der 22 Teams die elektronische Dura-Ace-Gruppe (Di2), während die Campagnolo Super-Rekord EPS nur von drei Teams verwendet wurde. Der Anteil von SRAM-Gruppen ist von acht Teams im Jahr 2010 auf zwei Teams im Jahr 2020 gesunken. Auch wenn alle drei Hersteller eine große Auswahl an Rennrad-Gruppen anbieten, so hat Shimano mittlerweile in jeder Rennrad-Preisklasse deutlich die Oberhand gewonnen. 

Die High-End-Komponenten für Rennräder hören bei Shimano auch weiterhin auf den Namen „Dura-Ace“, während die Rennrad-Gruppen darunter die Bezeichnung „Ultegra“, „105“ (11-fach), „Tiagra“ (10-fach), „Sora“ (9-fach) und „Claris“ (8-fach) tragen. 2019 kam die Gravelgruppe „GRX“ dazu, die sich durch ihre offroadtaugliche Bauweise auszeichnet und als 10- und 11-fach-System erhältlich ist. Du interessierst dich auch für Gravelbikes? Hier findest du unseren Blogbeitrag: Shimano GRX-Gravel-Gruppen.

Im Gegensatz zu Shimano bietet SRAM Rennradgruppen als 10-, 11- und 12-fach an. Die preiswerteste SRAM-Apex-Gruppe (2×10) ist daher eher schon mit der Shimano Tiagra zu vergleichen. Sowohl die „Apex“ als auch die nächsthöheren Gruppen „Rival“ und „Force“ sind auch als 1×11-Gruppe – für Gravel- und Cyclocrossbikes – erhältlich. Die Top-Gruppen „Force“ und „Red“ gibt es als kabellose „eTap“-Varianten und in der „AXS“-Ausführung nun mit 12 oder 24 Gängen.

Was gehört zu einer Rennrad-Gruppe?

  • Schalt-/Bremshebel
  • Kurbelgarnitur (Kurbel, Innenlager, Kettenblätter)
  • Umwerfer
  • Kassette
  • Schaltwerk
  • Kette
  • Naben/Laufräder
  • Bremskörper (Scheiben- oder Felgenbremse, hydraulisch oder mechanisch)

Einteilung der Rennrad-Schaltgruppen

Wir haben die Rennrad-Gruppen von Shimano & SRAM den entsprechenden Ausstattungsklassen unseres Bike-Guides zugeordnet. Mit dem Bike-Guide kannst du nicht nur das Level der Ausstattung auf einen Blick erkennen, sondern auch ob das Rad vom Einsatzbereich und Terrain zu deinen Vorstellungen passt.

Rennrad-Schaltgruppen von Shimano & SRAM im Detail:

Durch die Einordnung der Gruppen in den Ausstattungs- und Preisklassen wird deutlich, dass sich SRAM eher in den oberen Preisklassen bewegt, während Shimano auch Rennradgruppen in der Einstiegsklasse bereithält. Zudem lassen sich die Gruppen von Shimano und SRAM aufgrund leicht unterschiedlicher Preise und Ausrichtungen nicht direkt miteinander vergleichen. Dennoch gehen wir die Rennradgruppen nun detailliert – anhand der drei Level unseres Bike-Guides – durch und erklären dir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Schaltgruppen.

Level 1: Einstiegsklasse (Rennräder ab 700 Euro)

Shimano bietet für Rennräder der Einstiegsklasse die Gruppen Claris (R2000) und Sora (R3000) an. Beide Gruppen sind nur mit mechanischen Felgenbremsen erhältlich. Die Gruppen richten sich zwar an Rennradeinsteigerinnen und -einsteiger, kommen aber beide im Bereich der Kurbel bereits mit dem hochwertigen „Hollowtech II“-Design daher, dass auch bei den Top-Gruppen verwendet wird. Hierbei besitzt die zweiteilige Kurbel eine Hohlachse, die für geringes Gewicht und in Kombination mit dem außenliegenden Lager für hohe Steifigkeit und bessere Haltbarkeit sorgt. Die aktuellen Claris- und Sora-Gruppen sind mit moderner Zweifach-Kompaktkurbel und 50-34 Kettenblättern wie auch als Dreifachkurbel verfügbar. Die Bedienung erfolgt vom Lenker ebenfalls wie bei allen anderen Shimano-Rennrad-Gruppen über eine Kombination aus Brems- und Schalthebel, auch „Shimano Total Integration“ – kurz „STI“ – bekannt. Die Unterschiede zwischen Claris (8-fach) und Sora (9-fach) liegen also hauptsächlich in der Anzahl der Gänge des Schaltwerks beziehungsweise der Kassette. 

Level 2: Mittelklasse (Rennräder ab 1.300 Euro)

Wer ein leichteres Rennrad mit besserer Performance sucht ist in der Mittelklasse gut aufgehoben. Die Auswahl an Rennrädern für ambitionierte Hobby- und Amateurfahrerinnen und -fahrer ist zudem deutlich größer. Dies spiegelt sich auch im Bereich der Schaltgruppen wider. Zusätzlich zu der Tiagra (R4700) und 105 (R7000) von Shimano gibt es auch von SRAM mit Apex und Rival zwei Optionen. Alle genannten Gruppen gibt es aktuell noch gleichermaßen mit der herkömmlichen Felgenbremse als auch mit einer modernen, hydraulischen Scheibenbremse. Sowohl bei der Tiagra von Shimano als auch der Apex von SRAM handelt es sich um 10-Fach-Schaltungen. Beide Gruppen sind durch bessere Verarbeitung zum einen nochmals leichter und zum anderen präziser als die der Einstiegsklasse. Die nächsthöhere Shimano 105 und die SRAM Rival 22 bieten dann den nächsten Performance-Schritt. Wie der Name der „Rival 22“ bereits ankündigt handelt es sich um 2×11-Schaltungen. Beide Gruppen profitieren von einigen Technologien der Top-Gruppen des jeweiligen Herstellers. Beispielsweise ist die Kurbel der 105er optisch und technisch schon sehr nah an den TopmodellenUltegra und Dura-Ace.Die hohlen Kurbelarme sind nochmal etwas leichter und auch die Kettenblätter sind aufwändig bearbeitet worden. Einige Meinungen gehen sogar so weit, dass die aktuelle 105 die „Dura-Ace von gestern“ sei. Aussagen wie diese machen deutlich, dass auch die Schaltungen in der Mittelklasse in den letzten Jahren einen großen Leistungssprung vollzogen haben.

Wie unterscheiden sich die mechanischen Rennradschaltungen von Shimano & SRAM ?

Der große Unterschied zwischen SRAM und Shimano liegt bei den mechanischen Gruppen in der Bedienung. Bei Shimano dient der große Bremshebel bei seitlicher Bewegung auch zum Runterschalten und es gibt einen weiteren Hebel zum Hochschalten. SRAM setzt hingegen auf „einen Bremshebel, der bremst und einen Schalthebel, der schaltet.“ Der Schalthebel funktioniert daher in beide Richtungen. SRAM nennt diese Technologie „DoubleTap“. Zum Hochschalten muss der Schalthebel nur angetippt werden und zum Runterschalten über einen gewissen Punkt hinausbewegt werden. Welche der beiden Varianten du bevorzugst ist natürlich reine Geschmackssache, da beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben.

Level 3: Spitzenklasse (Rennräder ab 2.000 Euro)

Im High-End-Bereich hören die Gruppen bei Shimano auf die Namen „Ultegra“ und „Dura-Ace“. SRAM schickt die Gruppen „Force“ und „Red“ ins Rennen. Dabei ist die Shimano Ultegra die wahrscheinlich beliebteste Rennrad-Schaltgruppe überhaupt. Und das hat seine Gründe: Die aktuelle Ultegra R8000 wiegt als Ausführung mit Scheibenbremse gerade einmal knapp 2300 Gramm und ist somit 150 Gramm leichter als die 105er-Gruppe. Diese Diät hat die Ultegra dem Einsatz von hochwertigerem Material und der verbesserten Fertigung zu verdanken. Beispielsweise bestehen die Bremshebel aus Carbon und die Ritzel der Kassette sind auf einem Spider aus Aluminium montiert. Auch absolute Profis schätzen die Shimano-Ultegra-Reihe daher sehr.

Die SRAM Force 22 spielt in einer ähnlichen Liga und wiegt nochmal 80 Gramm weniger. SRAM hat zudem 2019 mit der Red und Force als „eTap AXS“ fast zeitgleich mit Campagnolo die ersten elektronischen 12-fach-Gruppen für Rennräder vorgestellt. Die Besonderheit ist dabei neben der kabellosen Funktionsweise, die Möglichkeit die Schaltungen sowohl bei Straßenrennrädern als auch bei Gravelbikes einzusetzen. Shimano geht mit der Dura-Ace einen anderen Weg und richtet die Gruppe mit Komponenten aus Carbon und Titan rein auf die Renntauglichkeit aus. Auch wenn SRAM am oberen Ende der Fahnenstange Shimano gegenüber voraus zu sein scheint, so kursieren doch einige Gerüchte, dass Shimano mit einer kabellosen 12-fach-Dura-Ace bald nachziehen wird.

Fazit:

Für welche der beiden Marken man sich entscheidet ist für viele Rennradfahrerinnen und -fahrer schon eine Art Glaubensfrage. Während SRAM mit einer gewissen Innovationskultur voranschreitet, bietet Shimano klare Vorteile im Bereich der Verbreitung und somit auch der Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Neben individuellen Bedürfnissen spielt dabei natürlich auch das Budget eine wichtige Rolle.

Mix & Match !

Cube Attain GTC SL 2021 (UVP 1.999,00 Euro): Ein Mix aus Ultegra Kurbel, Umwerfer und Schaltwerk mit 105er Schalt-/Bremshebeln funktioniert ebenfalls wunderbar. Die Kompatibilität der Gruppen zueinander ermöglicht auch den Herstellern bestimmte Komponenten außerhalb der gewöhnlichen Preisklassen zu verbauen. 

Veröffentlicht am 22. Februar 2021
Jan K.

Jan K.

Jan entdeckte 2012 durch ein Youtube Video aus dem legendären Whistler Bikepark seine Begeisterung für Mountainbikes. Von seinem Taschengeld kaufte er sich ein Dirtbike und stellte fest, dass ihm nicht nur das Fahren sondern auch das Schrauben am Rad großen Spaß macht. Die logische Konsequenz: Statt zu studieren machte er lieber eine Ausbildung in der Werkstatt der Lucky Bike Filiale in Dortmund. Während der Lehre wuchs auch der eigene Fuhrpark stetig an. Wieviele Fahrräder er mittlerweile besitzt? Das weiß er selbst nicht so genau.

Mit derselben Leidenschaft arbeitet er seit 2019 im Onlinemarketing bei Lucky Bike / Radlbauer.