Rennrad-Schaltgruppen von Shimano & SRAM

Eine Übersicht über die gängigen Rennrad-Schaltgruppen

Die Ansprüche an ein Rennrad variieren abhängig von den Wünschen des Fahrers. Ein relevantes Unterscheidungskriterium ist die Schaltgruppe. Schaltgruppen gibt es für jeden Rennradfahrer, egal ob Einsteiger, Hobbyfahrer, Amateurfahrer oder Wettkampffahrer. Für Einsteiger und Hobbyfahrer reichen im Normalfall Schaltgruppen aus dem unteren- oder mittleren-Segment aus. Ambitioniertere Fahrer benötigen hingegen mehr Schaltperformance und müssen daher etwas tiefer in die Tasche greifen.

Shimano & SRAM

Die beiden wichtigsten Hersteller von Rennrad-Schaltgruppen sind heutzutage Shimano und SRAM. Bis vor einigen Jahren gehörte hierzu sicher auch das italienische Unternehmen Campagnolo. Wir stellen euch im Folgenden die verschiedenen Schaltgruppen von Shimano und SRAM vor. Dabei zeigen wir euch die aus unserer Sicht relevanten Unterschiede der einzelnen Komponenten auf.

Shimano ist ein japanischer Hersteller und bereits seit 1921 auf dem Markt für Fahrradteile etabliert. Mit der 1973 auf den Markt gebrachten Dura-Ace stellte Shimano die erste komplette Rennrad Schaltgruppe vor.

Der US-amerikanische Konkurrent SRAM mit Sitz in Chicago ist seit 1987 in der Entwicklung von Rennrad- und MTB-Komponenten aktiv. Zu SRAM gehören außerdem die Marken RockShox, Avis, Truvativ, Zipp und Quarg.

Einteilung der Rennrad-Schaltgruppen

Shimano und SRAM Schaltgruppen

In oben stehenden Abbildung haben wir die Schaltgruppen der beiden Hersteller Shimano und SRAM für euch gegenübergestellt. Zum besseren Verständnis haben wir die verschiedenen Komponenten in Klassen eingeteilt – von Einsteiger bis Wettkampffahrer. Dies dient nur der Veranschaulichung. Natürlich gibt es auch Hobbyfahrer, die gerne mit einer elektronischen Schaltgruppe fahren möchten, trotz der Tatsache, dass eine solche High-Tech-Schaltgruppe nicht unbedingt notwendig ist.

Einführung in die unterschiedlichen Kurbelgarnituren

Der derzeitige Trend, in MTBs und Cyclocrossern einfache Schaltgruppen zu verbauen, findet bei herkömmlichen Rennrädern bislang nicht statt. Hier werden nach wie vor zweifach- oder dreifach Kurbeln verbaut, wobei sich in den letzten Jahren die Zweifach-Kurbeln durchgesetzt haben.

Die Auswahl dieser Kurbelgarnituren reichen von Kompaktkurbeln mit 50-34 Zähnen, über Semi-Kompaktkurbeln mit 52-36 Zähnen bis zur Standardkurbel mit 53-39 Zähnen.

Die Kompaktkurbel wird vor allem im bergigen Terrain eingesetzt und ist auf den meisten Rennrädern standardmäßig verbaut. Im Gegensatz dazu findet die Standardkurbel gerade im flachen Terrain ihr optimales Einsatzgebiet. Die Semi-Kompaktkurbel ist der Kompromiss zwischen Standard- und Kompaktkurbel und daher eine gute Option für Allrounder oder Einsteiger.

Kurbelarme sind standardmäßig zwischen 160 und 180 mm lang. Bei kleinen Fahrern, mit geringerer Schrittlänge (und demnach auch kleineren Rahmen) werden tendenziell kürzere Kurbelarme verbaut. Als Faustformel gilt: Körpergröße in cm = Kurbellänge in mm. Ein Beispiel: 170cm Körpergröße = 170 mm Kurbelarm. Für Fahrer über 190 cm, kommt nur die 180 mm Kurbel in Frage. Auch bei Fitness- und Urbanbikes kommen eher die kürzeren Kurbelarme zum Einsatz. Der Grund ist, dass mit einer kürzeren Kurbel eine höhere Trittfrequenz gefahren werden kann. Bei ambitionierten Rennradfahrern sind die 172,5 mm bis 175 mm Kurbelarme beliebt, diese ermöglichen es, einen höheren Druck auf die Straße zu bringen.

Die Einsteiger: Shimano Claris, Shimano Sora und SRAM Apex

Shimano bietet für den Einsteiger im Rennradsport die Claris- und Sora-Schaltgruppe an. Hierbei bildet die Claris die wirkliche Basic-Variante. Claris wird neben den Rennrädern für Einsteiger auch an Fitnessbikes und Urbanbikes verbaut. Die Shimano Claris-Ausstattung beinhaltet eine zweifach oder dreifach Kompaktkurbel (2×8-fach oder 3×8-fach), was 16 oder 24 Gänge ergibt. Zudem wird eine mechanische Felgenbremse angeboten. Preislich liegt man bei einem Fitnessbike oder Urbanbike mit einer Claris Schaltgruppe bei 700-900€ und somit im untersten Preissegment.

Die Sora-Gruppe wird seit 2018 dagegen nur noch mit einer zweifach Kompaktkurbel und einer 9-fach Kassette angeboten (2×9-fach). Mit ihren 18 Gänge bietet sie demnach zwei Gänge mehr als die vergleichbare Claris. Komplementiert wird die Ausstattung auch hier mit einer mechanischen Felgenbremse. Mit der Sora Ausstattung werden Fitnessbikes und Einsteiger-Rennräder in einem Preissegment unter 1.000€ausgestattet.

Der Konkurrent SRAM Apex ist dementsprechend auch für Einsteiger im Fitness- und Rennradbereich geeignet. Erhältlich als Kompakt- oder Semi-Kompaktkurbel mit 2×10-fach. Die 20 Gänge ermöglichen eine breite Übersetzung.

Alle drei Schaltgruppen sind wegen der Robustheit und Langlebigkeit auch für das Pendeln zur Arbeit geeignet.

Die Hobbyfahrer: Shimano Tiagra, Shimano 105 und SRAM Rival

Für das Segment der Hobbyfahrer sind die Shimano Tiagra, die Shimano 105 und die SRAM Rival geeignet.

Die Tiagra Komponenten bieten eine bessere Schaltperformance als ihre kleinen Shimano-Schwestern und werden daher bei Rennrädern in einem Preissegment von über 1.000 € von vielen Herstellern angeboten. Im Gegensatz zu den Einsteigermodellen bietet Shimano mit der Tiagra-Ausstattung eine 10-fach Kurbel an. Um ein breites Übersetzungsspektrum für Rennräder und Cyclocrosser zu bieten, werden zweifach oder dreifach Kurbeln verbaut. Zudem ist eine Semi-Kompaktkurbel oder eine reine Kompaktkurbel erhältlich.

Ab der Shimano 105 Ausstattung wird es für ambitioniertere Rennradfahrer interessant. Sie ist sehr verbreitet im Rennradsport und hat zahlreiche Upgrades von den Ultegra und Dura-Ace über die Jahre übernommen. Bei der 105 wird auf eine 11-Fach Kassette gesetzt, die mit vielen Optionen aufgewertet werden kann. So bietet Shimano zweifach und dreifach Kurbeln an. Auch kann zwischen Kompakt-, Semi-Kompakt- und Standardkurbel ausgewählt werden. So sollte jeder ambitionierte Hobbysportler fündig werden. Auch Wettkampffahrer fahren auf ihren Trainings-Rennrädern meist eine 105er-Gruppe. Neben der mechanischen Felgenbremse wird bei der 105 auch die Möglichkeit für eine hydraulische Scheibenbremse gegeben. Weshalb die Shimano 105 auch auf Cyclocross Bikes zum Einsatz kommt. Das Preissegment der Rennräder und Cyclocrosser reicht dabei von 1.000-2.000€.

Die SRAM Rival ist das amerikanische Pendant zur Shimano 105 und auch sie erhält immer wieder Updates und Features aus den Vorjahren von der SRAM Force und Red. Die SRAM Rival setzt auf eine 11-Fach-Kasette und eine zweifach Kurbel. Die 22 Gänge bieten dank der Option einer Kompaktkurbel oder der Semi-Kompaktkurbel eine breite Übersetzung. Mit der SRAM Rival erhält man Rennräder und Cyclocrosser zwischen 1.500 und 1.800€.

Die Amateurfahrer: Shimano Ultegra und SRAM Force

Wer ein Rennrad im mittleren oder oberen Preissegment kaufen möchte, kommt an der Entscheidung zwischen Shimano Ultegra oder Shimano Dura-Ace nicht vorbei. Beide Gruppen gibt es sowohl mit elektronischem als auch mechanischem Schaltwerk. Vom Sattel aus ist es praktisch unmöglich, festzustellen, ob es sich bei der Schaltperformance und Ergonomie von Schalt- und Bremshebeln um eine Ultegra oder Dura-Ace handelt.

Während die Ultegra-Gruppe eher für sehr ambitionierte Hobbysportler entwickelt wurde, soll die Dura-Ace den reinen Wettkampffahrer ansprechen. Natürlich kann aber eine Radveranstaltung auch mit einer Shimano Ultegra bestritten und gewonnen werden.

Die Shimano Ultegra wird ausschließlich mit einer zweifach Kurbel und einer 11-fach Kassette geliefert (2×11-fach). Von der Schaltperformance ist sie – wie oben angedeutet – von einer Dura-Ace kaum zu unterschieden. Einzig die verbauten Teile haben ein höheres Gewicht, was sie wiederum robuster macht. Zwischen mechanischer Felgenbremse oder hydraulischer Scheibenbremse kann je nach Vorliebe gewählt werden. Beides wird in der Ultegra Serie angeboten. Für ein Rennrad mit Ultegra-Ausstattung muss man um die 2.000€ ausgeben. Da bei Rennrädern mit Ultegra-Komponenten meist auch Carbon als Rahmenmaterial verwendet wird, gibt es auch Bikes für 3.500€.

Dem gegenüber steht die SRAM Force. Sie kann als Vorstufe der SRAM Red angesehen werden und wird im Amateurrennsport eingesetzt. Das bei der SRAM Rival verbaute Aluminium wird bei der SRAM Force durch Carbon ersetzt, weshalb die Kubel 100 Gramm weniger wiegt. Sie ist sowohl als zweifach- als auch als einfach-Kurbel (für den Cyclocross Bereich) erhältlich. Die 11-fach Kassette wird mit allen drei Kurbelmodellen (Kompakt, Semi-Kompakt und Standard) angeboten. Auch bei der SRAM Force-Ausstattung besteht die Möglichkeit der hydraulischen Scheibenbremsen und mechanischen Felgenbremsen.

Der Wettkampffahrer (mechanisch): Shimano Dura Ace und SRAM Red

Bei Wettkampffahrern oder Profis, die nicht auf elektronische Schaltungen setzen wollen, sondern lieber mechanisch schalten, fällt die Wahl meist auf eine Shimano Dura-Ace oder eine SRAM Red.

Die Dura-Ace-Gruppe wird teils aus Carbon, teils aus Titan und Aluminium gefertigt und bietet den höchsten Standard bei Shimano. Bei der Tour de France 2017 wurden acht Teams von Shimano ausgestattet und alle fuhren dabei die Dura-Ace (Di2 (elektronisch) oder mechanisch).

Bei der Dura-Ace behält Shimano die 2×11-fach Übersetzung bei. Eine Veränderung gegenüber der Ultegra-Gruppe gibt es dennoch, denn die Kurbelgarnitur kann bereits ab Werk mit Wattmessgerät erworben werden. Für alle, die keinen Leistungsmesser benötigen, gibt es die Kurbelgarnitur aber auch ohne Messgerät. Die Übersetzungen sind vielseitig und nahe an die Bedürfnisse der Wettkampffahrer und Profis ausgerichtet. Mit 1.969 Gramm ist die einzige Schaltgruppe von Shimano unter 2 Kilogramm. Rennräder mit Dura-Ace Ausstattung gibt es ab 3.000€.

Das non-plus-Ultra bei SRAM ist die Red Gruppe. Auch sie wird durch die präzise Schaltperformance und breite Übersetzung von vielen Profi-Teams gefahren. Sie ist komplett aus Carbon gefertigt, was sie mit 1.894 Gramm zur leichtesten Gruppe auf dem Rennradmarkt macht.

Der Wettkampffahrer (elektronisch): Shimano Dura Ace Di2, Ultegra Di2 und SRAM Red eTap

Für diejenigen, die eine elektronische Schaltung bevorzugen, kommen die Shimano Dura Ace Di2, die Shimano Ultegra Di2 oder die SRAM Red eTap in Frage.

Obwohl die Ultegra Di2 eher etwas niedriger einzustufen ist, wird sie hier der Übersichtlichkeit halber bei den elektronischen Schaltungen aufgelistet.

Die kabelgebundene, elektronische Shimano Ultegra Di2 behält all ihre Vorzüge und Eigenschaften der mechanischen Ultegra. Die Kabel der Schaltung verlaufen im Inneren des Rahmens. Der Akku befindet sich dabei Sitzrohr. Rennräder mit Ultegra Di2 liegen zwischen 3.000 und 4.000€.

Die Shimano Dura-Ace Di2 wird im Gegensatz zu der Ultegra Di2 kabellos geliefert. Die Schaltung wir per ANT+ und Bluetooth übertragen. Als Upgrade können Satelliten-Schalter am Oberlenker installiert werden, um eine Schaltung am Berg zu vereinfachen. Der Akku wird im Inneren des Sitzrohrs (der Sattelstütze) verbaut und lässt einen einfachen Austausch zu. Je nach Anzahl der Schaltvorgänge liegt die Reichweite des Akkus bei 1.000 bis 2.000 Kilometern. Die Vollladung nimmt laut Shimano ca. 90 Minuten in Anspruch. Durch den Akku ist die Di2-Variante 50 Gramm schwerer.

Die SRAM Red eTap ist auch ein komplett kabelloses System, welches nur einen kleinen Akku am Umwerfer und einen am Schaltwerk benötigt. Beide Akkus sind untereinander austauschbar. Sofern der Akku am Schaltwerk leer ist, kann dieser mit dem Akku vom Umwerfer getauscht werden und weitere Schaltvorgänge sind so auf dem hinteren Ritzelpaket bis nach Hause möglich. Aufgrund der zwei kleinen Akkus ist die Reichweite der SRAM mit ca. 1.000km geringer als die vergleichbare Shimano Variante. Geschaltet wird an den Schalthebeln per Knopfdruck. Auch bei der SRAM Red eTap ist es möglich, überall am Bike zusätzlich einen weiteren Schalter anzubringen. Bedingt durch die zwei Akkus ist die Red eTap 48 Gramm schwerer als die mechanische Red.

Fazit der Rennrad-Schaltgruppen:

Diese Übersicht soll einen ersten Überblick über die verschiedenen Schaltgruppen für das Rennrad bieten. Für welche Schaltgruppe man sich letztlich entscheidet, obliegt logischerweise hauptsächlich individuellen Ansprüchen und Geldbeuteln.

Hier findet sich eine Übersicht zu Mountainbike-Schaltgruppen