Erfahrungsbericht: Pendeln mit dem E-Bike

Pendeln mit dem E-Bike 2014Mit dem Rad zur Arbeit zu pendeln, gilt als ökologisch vorteilhaft, im Hinblick auf die geringen Betriebskosten als ökonomisch sinnvoll und je nach der üblichen Staulage auf den Wegstrecken ist man per Velo auch noch schneller am Ziel als mit Auto oder Bus & Bahn.
Hinzu kommt ein weiterer guter Grund, der auch ausschlaggebend für die Entstehung dieses Erfahrungsberichts ist: der Sport- und Fitness-Aspekt.
Nach der Arbeit noch ins Fitnessstudio? Vor der Arbeit noch ins Hallenbad? Das kommt bei der meist knapp bemessenen Zeit oft nicht in Frage bzw. der vielbeschworene innere Schweinehund stöhnt schon im Vorfeld.
Die ohnehin anfallende Fahrtzeit zur Arbeit jedoch für die körperliche Betätigung zu nutzen – das bietet sich förmlich an!

Nun gut, eine Wegstrecke mit knapp 30 km, das mutet für einen Nicht-Trainierten nach echtem Sport an! Klar, dass da nur ein Rad mit elektrischer Unterstützung in Frage kommt, soll das Pendeln mit dem Velo keine Eintagsfliege bleiben.
In der Recherche nach einem geeigneten Vehikel stößt man zunächst auf die Unterscheidung zwischen Pedelecs (wie die “E-Bikes” mit Tretunterstützung korrekterweise bezeichnet werden) und den sogenannten S-Pedelecs. Während erstere Räder dem Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h beim Strampeln behilflich sind, stellen die Speed-Pedelecs theoretisch erst bei 45 km/h ihre Unterstützung ein. Da eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h angestrebt wird, fällt die Wahl nicht schwer.
Den Fahrt- und Produktberichten zufolge scheint die Technik dieser Räder mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen zu sein und den E-Bikes wird Alltagstauglichkeit attestiert, zumindest wenn man sich in der Preisklasse ab 1.800 EUR umschaut, die man für ein Pedelec auch anlegen sollte.
Der Theorie folgt die Praxis und die erste Probefahrt mit einem S-Pedelec lässt sich leicht beschreiben: Wow!!!
E-Bike-MittelmotorIn dem Testrad ist ein 500 Watt Motor verbaut und der drückt das Pedelec mit der geballten Akku-Power auf der höchsten Unterstützungsstufe ordentlich nach vorne. Es ist ein recht eigenartiges, aber durch und durch gutes Gefühl, wenn die eigene Kraftanstrengung derart verstärkt wird. Soll heißen, das Fahren macht richtig Spaß und selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 40 km/h fühlt sich das Rad sehr sicher und fahrstabil an. Also die Sache ist beschlossen: Es gibt bald einen Rad-Pendler mehr!
Der Anschaffungspreis im klaren vierstelligen Bereich schmerzt, aber der direkte Vergleich über Probefahrten diverser Räder lässt keine Alternative zu dem final gewählten Bike zu.

Nachdem das Rad in Empfang genommen wurde, erfolgt der erste Test am Objekt. Die Bedienung ist recht simpel und es bedarf keiner großen Erklärung oder Eingewöhnungszeit: Einschalten, Unterstützungsmodus wählen, losfahren.

Vor der ersten Fahrt kommen nun doch noch Zweifel: War der Entschluss, künftig jeden Werktag rund zwei Stunden auf einem Fahrrad zu verbringen, wirklich eine gute Idee? Ist das nicht doch Plagerei, Unterstützung hin oder her?
Die Strecke lässt sich jedoch ohne erschöpfende Kraftanstrengung und durchgeschwitzte Klamotten zurücklegen! Und mehr noch: Insbesondere die Fahrten auf Wegen außerhalb der viel befahrenen Verkehrsstraßen bieten echten Genuss. Frische Luft, freie Fahrt und wenn einem danach ist, kann man auch mal neugierig in die ein oder andere Seitenstraße abbiegen, um hinter der nächsten Kurve wieder auf Kurs zu gehen – mit dem Auto macht man das eher nicht! Außerdem führt eine der möglichen Routen auch noch nahezu vollständig über Allee-Straßen mit dichtem, altem Baumbestand – nicht schlecht!

Trotz alledem sollte sich die Fahrzeit in einem möglichst geringen Rahmen bewegen. Oftmals sind es die geradezu erbärmlichen Zustände der Straßenbeläge, die die Fahrtzeit ausbremsen. Auf Schlaglochpisten lassen sich die 40km/h mit einem ungefederten Rad leider nicht gefahrlos fahren. Und Radwege bieten da auch keine bessere Alternative. Apropos Radwege: Die S-Pedelecs sind in Deutschland verkehrsrechtlich den Mofas/Mopeds gleichgestellt. Das heißt, Fahrradwege sind tabu (eine Ordnungswidrigkeit), außerdem ist eine Haftpflichtversicherung für das Rad abzuschließen. Generell ist eine erhöhte Aufmerksamkeit mit einem S-Pedelec im Straßenverkehr gefordert. Die meisten Verkehrsteilnehmer schätzen die Geschwindigkeit falsch ein. Während Fußgänger hier noch ein besseres Gespür haben, sollte man sich daran gewöhnen, dass man die Vorfahrt von Autofahren sehr oft genommen bekommt.
Ist nun ein E-Bike ein geeignetes Vehikel für Berufspendler? Meiner Erfahrung nach ein ganz klares – Ja! E-Bike fahren macht Spaß, man ist schnell und relativ unabhängig vom übrigen Verkehrsaufkommen am Ziel und tut etwas für die Umwelt und die eigene Gesundheit.
Es ist gut vorstellbar oder gar wahrscheinlich, dass das E-Bike mittel- bis langfristig eine sehr weit verbreitet Alternative zum PKW bzw. öffentlichen Verkehrsmitteln wird. Gerade in Ballungsgebieten besteht ein enormes Potential. Politische Entscheidungen können hierfür sicherlich förderliche Impulse setzen, um diese Entwicklung schneller und in größerem Umfang voranzubringen. Die steuerliche Gleichsetzung des Firmen-Fahrrads mit dem Firmen-Wagen ist dafür ein gutes Beispiel. Noch wesentlich entscheidender wird jedoch sein, entsprechende Verkehrswege zu entwickeln. Sprich: ein wesentlich konsequenterer Ausbau von Radwegen, die auch von E-Bikes genutzt werden dürfen. Auch dafür gibt es bereits ein gutes Beispiel: Der geplante Radschnellweg Ruhr quer durchs Ruhrgebiet.
Im Hinblick auf die in den Rush-Hours nervtötend mit Autos verstopften Innenstädte wäre eine Entwicklung hin zu mehr E-Bike-Mobilität sowohl für die Anwohner als auch für die Pendler eine wohltuende Entwicklung.

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