Test: KTM Macina Action 292

Das E-MTB im Endstadium

KTM Macina Action 292
KTM Macina Action 292

+ kantiges Design
+ top Handling
+ perfekte Übersetzung
+ stärkster Motor mit großem Akku

– „günstige“ Schalthebel mit langsamem Gangwechsel
– straffe Gabel

Unser Lucky Bike Mitarbeiter Vladi aus Würzburg hat das KTM Macina Action 292 getestet und schildert seine Eindrücke.

Einleitung

KTM waren für mich bisher immer Vernunfträder. Während meine Kollegen oft von den tollen Fahreigenschaften schwärmen, sehe ich tristes Design und wenig Innovation. Nicht so in diesem Fall. Ok, KTM hat das Rad nicht neu erfunden, aber die Umsetzung des elektrifizierten Hardtails ist sagenhaft. Natürlich kann man immer irgendetwas kritisieren, doch eines vorweg: Müsste ich dem KTM Macina Action 292 eine Schulnote geben, würde es eine glatte Eins verdienen.

Rahmen und Gabel

Das Kernstück des 29er Action (Modell 292) ist ein für KTM auffällig innovativer und kantiger Rahmen. Das Design erinnert mich etwas an die preisgekrönten Hibikes der letzten Jahre. Auffällig und nützlich ist das abknickende Oberrohr, dass relativ weit unten in das Sattelrohr mündet. So hat man beim KTM Macina Action 292 viel Spielraum für die Sattelhöhe und muss nicht um seine Kronjuwelen fürchten, wenn man mal unfreiwillig nach vorne absteigt. Zusätzlich lässt sich ein verhältnismäßig großes Rad dadurch auch von kleinen Fahrerinnen nutzen. Das ist vor allem toll, wenn sich Partner ein Rad teilen wollen. Obwohl beim KTM Macina Action 292 sichtlich viel Abstand zwischen Sattelrohr und Rahmen liegt, sind die Kettenstreben angenehm kurz und versprechen ein verspieltes Handling.
Die Rockshox Recon Silver Gabel bietet 100 Millimeter Federweg. Sie ist eine steife und unauffällige Luftgabel, die jedoch bei E-Bikes schnell an ihre Grenzen stößt – doch dazu später mehr.

Ausstattung

Im Herzen des KTM Macina Action 292 sitzt die aktuelle Top-Maschine von Bosch: Der Performance CX unterstützt mit bis zu 75 Nm Drehmoment und dank dem großem 500 Ah Akku auch sehr lange. Erfahrungsgemäß kann man von 80-120 Kilometern ausgehen.
Die restliche Ausstattung ist, wie häufig bei KTM, für den Preis nicht überragend, aber dennoch funktional. Geschaltet wird mit Shimano SLX-Komponenten. Die 1×11 Kassette des KTM Macina Action 292 macht den Eindruck, als hätten die E-Bikes nur auf den elften Gang gewartet. Diese Übersetzungsbandbreite reicht damit in jeder denkbaren Situation. Bergab kann man bis etwa 45 km/h mittreten, dann wird gerollt. Schade nur, dass der Shifter keine 2-fach Gangwechsel hin zum schwereren Gang zulässt. Das hemmt die mögliche Beschleunigung ein wenig, denn der Motor beschleunigt oft schneller als man mittreten bzw. -schalten kann.
Die so oft verbauten gruppenlosen Shimano Discbrakes tun auch hier ihren Dienst. Sie bremsen kontrolliert auf zwei 180er Bremsscheiben. Die Bremsleistung ist super, aber manchmal fehlt der nötige Biss. Die Laufräder bestehen aus Deore Naben und breiten Ambrosio Felgen. Diese stützen die 2,25“ breiten Schwalbe Smart Sam Reifen optimal ab. Das neue Smart Sam Profildesign gefällt auch hier. Es passt optisch in das Gesamtbild. Der Grip ist für einen Reifen dieser Preislage optimal. Erst bei Nässe kommt man etwas ins Schleudern. Die Anbauteile sind alle von KTM selbst entworfen und wie gewohnt sehr gut verarbeitet. Die kantigen Griffgummis sollen die Handgelenke entlasten, passen aber sicherlich nicht zu jeder Hand. Genauso verhält es sich mit dem hochwertigen Selle Italia Sattel mit anatomisch geformter mittiger Mulde.

Fahreindruck

Wie schon in der Einleitung erwähnt: Es gibt immer etwas zu meckern. Viel wichtiger als das Preisniveau der gewählten Komponenten ist jedoch der Fahreindruck. Und dabei gibt es am KTM Macina Action 292 nichts auszusetzen. Ich bin mit dem Bike insgesamt etwa 50 Kilometer gefahren. Die Hälfte davon auf unbefestigten Trails. Das Rad macht überall eine gute Figur. Die Sitzposition ist irgendwo zwischen sportlich (Cross-Country) und leicht aufrecht (Trail) einzugliedern und lässt sich durch Drehen des Vorbaus zusätzlich entschärfen. Im Straßenverkehr hat man genügend Überblick und kommt dank breiter Reifen sicher jeden Bordstein hoch und über jede Straßenbahnschiene. Die Unterstützung ist mehr als ausreichend. Ich bin relativ sportlich und komme auf asphaltierten Wegen im Tour Modus (mittlere Unterstützungsstufe) kaum ins Schwitzen. Bei starken Anstiegen und in unwegsamen Gelände braucht es maximal den Sport Modus. Der Turbo Modus ist so kraftvoll, dass es einem bei Nässe gerne mal das Hinterrad wegzieht. Das Gefährt fühlt sich dabei schon eher an wie ein Motorrad. Wer das KTM Macina Action 292 vor allem im Gelände bewegen möchte, kann hier getrost zugreifen. Ich hatte anfangs etwas Angst, das schwere Rad nicht durch technische Passagen manövrieren zu können, aber ich bin damit überall durch (und runter) gekommen, wo ich sonst mit meinem All-Mountain fahre.

Fazit

Das KTM Macina Action 292 11S SLX ist ein durchweg gelungenes E-Hardtail. Mehr noch: es markiert vielleicht einen Meilenstein in der Entwicklung einer neuen Fahrradgattung. Die durchdachte Rahmengeometrie mit überragender Integration der Antriebskomponenten ergibt zusammen mit dem 1X11 Antrieb und den auf breiten Felgen abgestützten Reifen ein Fahrrad, das den schweren Spagat zwischen Straße und Trail so gut meistert, wie selten eines zuvor.

Hier gehts zum KTM Macina Action 292 im Lucky Bike Onlineshop.

Autor: Vladislav Shenker (Mitarbeiter in der Werkstatt, Lucky Bike Filiale Würzburg)

Lucky Bike / Radlbauer Redaktion

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