Test: Focus Cayo Al Disc Tiagra

Sportliches Einsteiger-Rennrad für’s ganze Jahr

+ hydraulische Scheibenbremsen
+ sportliche Sitzposition
+ steifer Alurahmen
+ ausgewogene, gute Ausstattung
– relativ hohes Systemgewicht

Gabriel aus Leipzig hat zunächst das Focus Cayo Disc 105 ausgiebig getestet. Nun folgt im direkten Vergleich das Focus Cayo Al Disc Tiagra, um zu sehen, ob und wie sich die Unterschiede in Rahmenmaterial und Schaltgruppe bemerkbar machen würden.

Das Focus Cayo Al Disc Tiagra ist, wie der Name schon sagt, ein Rennrad mit Aluminiumrahmen, ausgestattet mit hydraulischen Scheibenbremsen und einer Shimano Tiagra 2×10-fach Gruppe. Derart ausgestattet richtet sich das Rad offensichtlich an ambitionierte Einsteiger und Hobbysportler. Vor allem die Tiagra-Gruppe ist – wie unsere Übersicht über die Rennrad-Gruppen von Shimano gezeigt hat – eine gute Wahl für alle ambitionierten Einsteiger.

Der Rahmen

Der Rahmen ist aus Aluminium, was bei Rennrädern in dieser Preis- und Ausstattungsklasse immer noch erste Wahl ist. Die Geometrie des Rahmens ist durchaus sportlich, man kann fast von einer klassischen Rahmengeometrie sprechen. Das Oberrohr fällt zum Sattelrohr kaum ab, auch das Steuerrohr ist verhältnismäßig kurz. Das alles spricht dafür, dass neben der einsteigerfreundlichen Ausstattung die sportlichen Ambitionen des Cayo nicht vernachlässigt wurden.

Auch optisch gefällt der Rahmen durch die innen verlegten Züge und Hydraulikleitungen. Die Verarbeitung ist durchweg gut, die schwarz-weiße Farbgebung kommt ohne große Effekte aus und gefällt durch ihre Schlichtheit. Eine Besonderheit sind die Ösen am Hinterbau, mit denen sich ein festes Schutzblech anbringen lässt. So ist das Cayo auch als Allwetterrad zu nutzen.

Das Focus Cayo Al Disc Tiagra im Praxistest

Auf dem Rad war ich zunächst von der sportlichen Sitzposition durchaus positiv überrascht. Die meisten Rennräder im Einstiegsbereich kommen eher mit komfortablen Rahmengeometrien daher. Nicht so das Focus Cayo Al Disc Tiagra, dem man dank seines sportlichen Charakters sofort die Sporen geben möchte.

Auf der Testrunde, die ich mit dem Cayo gefahren bin, machte das Rad vor allem auf schnellen, flachen Passagen einen wirklich flinken Eindruck. An kurzen, knackigen Anstiegen kam es mir zwar nicht ganz so leichtfüßig vor wie das von mir ebenfalls getestete Carbonmodell Focus Cayo Disc 105, was aber vermutlich am geringfügig höheren Systemgewicht liegen dürfte.

Das Focus Cayo Al Disc Tiagra geht dementsprechend auch gut nach vorn, der Aluminiumrahmen ist wunderbar steif ohne unkomfortabel zu wirken. Zwar schluckt das angesprochene Cayo Disc 105 durch seinen Carbonrahmen Fahrbahnunebenheiten souveräner, beim Cayo Al bekommt man hingegen mehr Feedback von der Straße. Nebenbei tragen auch die 25 Millimeter breiten Reifen einiges zum Fahrkomfort bei. Insgesamt zeigt sich der Rahmen des Focus Cayo Al Disc Tiagra also steif und sportlich, ohne dabei große Komforteinbußen mit sich zu bringen. Das widerspricht den gängigen Vorurteilen gegenüber Aluminiumrahmen – gelten diese doch gemeinhin als hart und spröde.

Die Schaltgruppe

Überaus positiv überraschen konnte die Shimano Tiagra-Gruppe. Auf meiner Testfahrt lieferte diese für eine Gruppe aus dem Einstiegsbereich wirklich präzise und knackige Schaltvorgänge. In dieser Hinsicht steht die Tiagra den in der Shimano-Hierarchie höher eingestuften Gruppen in nichts nach. Die 2×10-fach Schalthebel taten dabei ebenso verlässlich ihren Dienst; das Feedback war bei jedem Schaltvorgang überaus direkt.

Auch das etwas höhere Gruppengesamtgewicht ist nichts, was sich auf meiner Testfahrt mit dem Cayo Al negativ bemerkbar gemacht hätte. Ein wesentlicher Unterschied zu den Top-Gruppen 105, Ultegra und Dura Ace ist jedoch der Umstand, dass die Tiagra „nur“ über einen 2×10-fach Antrieb verfügt. Die Top-Gruppen werden inzwischen standardmäßig als 11-fach ausgeführt. Aber den „fehlenden“ Gang habe ich auf meiner Testfahrt nicht vermisst. Das liegt auch an der von Focus geschickt gewählten Übersetzung: Zu der semikompakten Kurbelgarnitur (52/36) gesellt sich ein 12-28er Ritzelpaket, so dass das Rad über ein recht breites und einsteigerfreundliches Übersetzungsspektrum verfügt.

Die Bremsen

Ein Highlight am Focus Cayo Al Disc Tiagra ist definitiv die hydraulische Scheibenbremsanlage. Die Shimano BR-RS405 befindet sich ebenfalls auf Tiagra-Niveau, einen Unterschied zur hydraulischen 105er Bremsanlage konnte ich auf meiner Testfahrt allerdings nicht feststellen. Die Scheibenbremsen verzögern zuverlässig und ohne große Handkräfte aufbringen zu müssen. Die höhere Bremskraft und die Verschleiß- und Wartungsarmut gegenüber Rennradfelgenbremsen sind dabei ein weiterer Vorteil. Die hydraulische Scheibenbremse ist meiner Meinung nach etwas, womit sich das Focus Cayo Al Disc Tiagra von den Mitbewerbern im Einstiegsbereich deutlich abheben kann.

Die Laufräder

Die Laufräder mit Felgen aus dem Hause DT Swiss sind superstabil aufgebaut. Zwar werden sie nicht unter Leichtbau geführt, jedoch machen sie einen absolut unerschütterlichen Eindruck auf schlechten Wegen. Auch am Focus Cayo Al Disc Tiagra kommt wieder das Focus-eigene R.A.T.-Steckachsensystem zum Einsatz, welches die Stabilität einer Steckachse mit einem cleveren Schnellspannsystem verbindet. Der Ein- und Ausbau der Laufräder in ist so in Sekundenschnelle möglich. Das R.A.T.-System begeistert mich jedes Mal aufs Neue!

Die Anbauteile

An Sattel, Sattelstütze und Vorbau von der Focus-eigenen Marke Concept gibt es nichts auszusetzen. Die Teile sind gut gewählt und auf das Rad abgestimmt. Als besonders angenehm empfinde ich den kompakten FSA Vero Comp Lenker, der auch am Unterlenker eine angenehme Position auf dem Rad ermöglicht.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass mein Testrad von Werk aus schon mit schnellen und leichten Schwalbe One Reifen in der von mir bevorzugten 25 Millimeter Variante ausgestattet war – andere Hersteller drücken an dieser Stelle gern Kosten und verbauen günstigere Bereifung.

Fazit

Das Gesamtgewicht des Focus Cayo Al Tiagra pendelt sich derart ausgestattet bei handgewogenen 9,66 kg ein (Rahmenhöhe 54, ohne Pedale), allerdings überzeugte das Rad vor allem durch seine sportlichen Fahreigenschaften und die gute Ausstattung, so dass das Gewicht eher nebensächlich ist.

Das Focus Cayo Al Disc Tiagra ist eine absolute Empfehlung für alle Hobbyrennradfahrer, die ein sportliches, zuverlässiges und zeitgemäßes Rennrad suchen, das auch das ganze Jahr über für schnelle Trainingsrunden genutzt werden kann. Vor allem die hydraulischen Scheibenbremsen und die Tiagra-Gruppe können dabei auf ganzer Linie überzeugen. In Kombination mit dem steifen Alurahmen ergibt das eine durchweg stimmige Mischung, die auf jeden Fall eine Probefahrt wert ist.

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Gabriel

Gabriel liebt das sportliche Radfahren seit er in seiner Jugend mit dem Mountainbike die Wälder und Wiesen seiner Heimatregion erkundet hat. Dabei ging es weniger um rasante Action und wilde Abfahrten, sondern mehr um die Freiheit überall mit dem Fahrrad hinzukommen. Seit ca. 15 Jahren fährt er ambitioniert Rennrad, inklusive regelmäßiger erfolgloser Teilnahmen an Jedermannrennen. Auch Radmarathons und RTF nimmt Gabriel jede Saison aufs Neue unter die schmalen Rennradreifen. Trotz aller sportlichen Ansprüche zählt für Gabriel jedoch vor allem eines: Der Genuss der Freiheit auf 2 Rädern. Gabriel arbeitet in Leipzig und ist bei Lucky Bike im Bereich Werbung und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt. Hier findest du alle Beiträge von Gabriel.

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