Vorbei am Stau – Ein Erfahrungsbericht aus München

Vorbei am Stau - Mit dem Fahrrad zur Arbeit in Muenchen - Erfahrungsbericht

Florian Huber fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit: 20 Kilometer jeden Tag, bei fast jedem Wetter. Er tut das nicht nur für Fitness oder Umwelt, sondern auch, weil er schneller am Ziel ist als mit dem Auto. Was er dafür schon hat: ein schnelles, verlässliches Rad und eine gute Ausstattung. Was er sich wünscht: bessere Radwege.

Schon wieder Montagmorgen… Noch schnell den letzten Schluck Kaffee und ein Blick in die Wetter-App: erst wechselhaft mit Regenwahrscheinlichkeit 40 %, danach wird‘s sonnig. Passt, eigentlich können mich nur Hagel und Glatteis vom Radeln abhalten und meine Regenkombi ist sowieso immer in der Satteltasche. Aber so wie der Himmel aussieht, brauch ich die heute gar nicht. Also Helm auf und los. Früher habe ich nie Helm getragen, aber seit ich meinem Sohn Kilian ein gutes Vorbild sein will, habe ich mich schnell daran gewöhnt und fühle ich mich ohne mittlerweile völlig ungeschützt. Spontan entscheide ich mich, die Route quer durch die Stadt zu nehmen. Seit mein Arbeitgeber vor ein paar Jahren ganz in den Osten der Stadt gezogen ist, habe ich verschiedene Routen ausprobiert. Rund 10 Kilometer sind es vom Westend bis nach Berg am Laim. Je nach Wetter, Lust und Laune fahre ich mal die eine oder andere Strecke – Abwechslung muss sein.

Mit dem Fahrrad den Kreislauf in Schwung bringen

Warum sich so viele andere Münchner jeden Morgen ins Auto oder die überfüllte S-Bahn setzen, kann ich nicht verstehen. Schon auf den ersten Metern genieße ich die frische Morgenluft und das Gefühl, wie mein Kreislauf langsam in Fahrt kommt – und mein Fahrrad auch. Ausgebremst werde ich erst auf dem viel zu schmalen Radweg entlang der Lindwurmstraße. Überholen kann man hier kaum, völlig unmöglich ist es bei einem Lastenrad, wie jetzt vor mir. Trotz des geruhsamen Tempos fahre ich rechts an den Autos vorbei, die sich in Richtung der Dauerbaustelle am Sendlinger Tor stauen. Die ist allerdings auch für Radfahrer ein Ärgernis: Auf der engen Spur schlängeln wir uns über die Kreuzung, eingequetscht zwischen Autos, Bussen und Lkw rechts und links. Aber danach läuft‘s wieder und der schöne Teil meines Weges beginnt: Am Gärtnerplatz fühlt es sich ein wenig an wie Urlaub in Frankreich oder Italien. Vor den Cafés trinken die Menschen ihren Cappuccino in der Sonne, mit Blick auf die bunten Blumenbeete im Rondell. Der Radweg entlang der Isar ist immer das Highlight auf meinem Weg. Ab und zu sehe ich dort sogar einen Fliegenfischer, der mit seinen hohen Gummistiefeln im Wasser steht. So stelle ich mir Kanada vor – und das mitten in der Stadt!

Vorbei am Stau - Mit dem Fahrradt in Muenchen - Erfahrungsbericht

Hinter dem Gasteig geht’s über kleinere Straßen durch Haidhausen. Da gibt es zwar keine Radwege, aber auch relativ wenig Verkehr. Das letzte Stück der Route ist dann nicht mehr so schön, aber wenigstens ist der Radweg ok. Und nach gut einer halben Stunde bin ich am Ziel. Das geht während des Berufsverkehrs weder mit dem Auto noch mit den Öffentlichen schneller. Beim Bau des Büroturms, im dem ich arbeite, wurde tatsächlich auch an uns Fahrradfahrer gedacht: Es gibt ausreichend Stellplätze draußen und in der Tiefgarage, dazu sogar Duschen und Umkleidekabinen. Die sind vor allem im Sommer, wenn es richtig heiß wird, ziemlich praktisch. Zusammen mit meinem Kollegen Martin steige ich in den Aufzug. Der ist genervt und schimpft – wie so oft – übers S-Bahn-Chaos mit Verspätungen und völlig überfüllten Zügen. Ich hingegen bin ziemlich entspannt und denke noch mal an Frankreich, Italien, die Isar und Kanada…

Vorbei am Stau - Mit dem Fahrrad zur Arbeit - Erfahrungsbericht

In den Feierabend mit dem Radl

Was für ein Tag!!! Ein Meeting nach dem anderen, dann unter Zeitdruck das abarbeiten, was währenddessen liegengeblieben ist. Draußen hat sich die Sonne durchgesetzt, wäre doch ein schöner Abend für den …  Mein Handy klingelt: „Treffen wir uns gleich im Biergarten?“, fragt meine Frau. Das war wohl Gedankenübertragung. Also nichts wie los, diesmal über die Einsteinstraße. Ich trete immer schneller in die Pedale, um da vorne noch über die Ampel zu kommen, als ein Autofahrer aus einer Stichstraße ohne zu schauen auf den Radweg fährt. Vollbremsung! Ich schimpfe, klingele, rufe – der Fahrer tut so, als ob er mich nicht bemerkt, und biegt ungerührt ab. Mit Adrenalin bis in Haarspitzen fahre ich weiter. Kurze Zeit später läuft eine ältere Dame direkt vor mir auf den Radweg. Wieder Vollbremsung und ich schreie los: „Können sie nicht aufpassen?!?“ Die Dame fährt erschrocken zusammen, entschuldigt sich immer wieder. Ich radel weiter – und schäme mich …

Vorbei am Stau - Mit dem Radl zur Arbeit - Erfahrungsbericht

Endlich geht’s runter zur Isar, weg von den Autos – wenn auch nicht von den Fußgängern. Bei so einem Wetter wie heute ist natürlich viel los. Wenn es regnet, habe ich die Wege dort fast für mich alleine. Aber Schluss mit dem Gemaule. Dazu ist die Stimmung hier am Fluss viel zu schön. Auf Höhe der Frühlingswiesen – den Abschnitt liebe ich besonders – starten schon die ersten Isarpartys. Später im Sommer mache ich hier gerne mal einen kurzen Zwischenstopp zum Baden. Rund um die Insel ist das Flussbett etwas tiefer und man kann sich wunderbar treiben lassen. Aber dafür ist das Wasser heute noch zu kalt.

Autos und Fahrräder

Nach den breiten Radwegen an der Isar folgt als Kontrast die Kapuzinerstraße. Und wie immer: Ausgerechnet dort, wo Straße und Radweg besonders eng sind, parkt mal wieder ein Auto vor einem Imbiss. Warum geht die Polizei eigentlich nicht strenger gegen diese Radwegparker vor? Kleiner Endspurt über die Theresienwiese. Eine tolle Freifläche mitten in der Stadt: Wenn ich zurück ins Westend radel, liebe ich diesen Anblick, über dem hinten die Bavaria thront. Umso mehr ärgere ich mich jedes Jahr, wenn die Wiesn schon im Juli für den Aufbau des Oktoberfests gesperrt wird. Meist erst irgendwann im November werden die Zäune wieder abgebaut. Aber egal – heute habe ich freie Fahrt, strampel im kleinen Gang links an der Bavaria vorbei und steuere direkt auf den Biergarten gegenüber des Verkehrsmuseums zu. Ich freue mich auf die Brotzeit mit meiner Familie im Biergarten. Und dazu ein kühles Radler.

 

Lucky Bike / Radlbauer Redaktion

Unsere Lucky Bike / Radlbauer Redaktion ist so vielfältig, wie unsere gesamte Unternehmensfamilie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen berichten über ihre Lieblingsthemen, schreiben News, berichten von Veranstaltungen oder testen regelmäßig Fahrräder, die wir in unseren Filialen oder im Online Shop anbieten. In der Redaktion sind unsere Kolleginnen und Kollegen versammelt, die vereinzelt Testberichte, Newsbeiträge oder informative Texte rund um das Thema Fahrrad schreiben. Die Testberichte unserer Redaktion spiegeln ihre Erfahrungen, Ergebnisse und Meinungen objektiv hier bei uns im Blog wider.