Der Lucky Biker: Trainingslager für Radfahrer – 10 Tipps und Tricks

Der Breitensportkalender 2018 ist gerade erschienen und damit wird schnell klar, dass die Radsportsaison bald startet. Um schnell wieder in den Tritt zu kommen, bietet sich ein Trainingslager im Süden an. Es geht darum, sich mit Gleichgesinnten in einer angenehmen Atmosphäre so langsam wieder ans Radfahren zu gewöhnen und sich gemeinsam auf anstehende Ziele vorzubereiten. Einfach mal einen Tapetenwechsel vornehmen und die Möglichkeit, bei angenehmen Temperaturen einige Touren zu unternehmen, ohne an Überschuhe, Licht, Regen- oder Winterjacke denken zu müssen. Damit dem Trainingslager wirklich nichts im Wege steht, führe ich hier ein paar Tipps und Tricks auf, über die es sich lohnt, im Vorfeld nachzudenken.

Trainingslager mit dem Lucky Biker

1. Trainingslager mit Freunden oder organisiertes Trainingscamp?

Die erste Frage, die sich stellt: Fahre ich mit Freunden in die Wärme oder schließe ich mich einem organisierten Camp an? Wenn ich mich für die kleine Gruppe aus befreundeten Rennradfahrern entscheide, besteht die Möglichkeit, mit einem externen Trainer oder Radguide zu arbeiten und die Touren-Planung quasi auszulagern. Entscheidet man sich im Vorhinein für ein organisiertes Camp, geht das Angebot vom Radguide, der die örtlichen Gegebenheiten kennt und die Trainingslagergruppe trainiert, bis hin zum Rundumsorglos-Paket, indem auch Unterkunft, Trainingsplanung, Streckenorganisation, nötige Transfers, sowie der Fahrradverleih enthalten sind. Diese Pakete sind nicht immer teurer als die Planung auf eigene Faust – vergleichen macht also durchaus Sinn.

 

2. Welche Region bietet sich an?

Bevor die Planungen so richtig anlaufen, muss man sich Gedanken machen, wo das Trainingslager stattfinden soll. Sollen die Trainingseinheiten eher im Flachen oder in bergigen Regionen stattfinden? Welche Übersetzung am Rennrad brauche ich folglich? Brauche ich vielleicht noch andere Reifen oder Laufräder? Vor allem auf den Kanaren fegt immer ein starker Wind, weshalb von Hochprofillaufrädern abzuraten ist.

Zu welcher Zeit im Jahr geht es in die Sonne? Von Dezember bis Februar, wenn in Deutschland noch Winter herrscht, sind die Temperaturen auf den Kanaren bereits geeignet für Rennradtouren. Ab März sind vor allem Mallorca oder die Toskana tolle Regionen für das Rennradfahren – m ildes Klima, mäßiger Wind.

Daneben gilt es, an individuelle Aspekte wie beispielsweise Allergien zu denken. Dass man an Sonnencreme denken sollte, versteht sich von selbst.

 

3. Appartement mit Selbstverpflegung oder Hotel mit Halbpension?

Die Wahl der Unterkunft beeinflusst die Planung des Trainingslagers erheblich. Es ist ein Unterschied, ob sich eine Gruppe von Fahrradabenteurern eine Ferienwohnung mietet, wo alles selbst organisiert werden muss oder ob die Gruppe in einem all-Inclusive Hotel residiert, in dem man sich weitestgehend auf Radfahrer eingestellt hat. Daran orientiert sich maßgeblich, was ins Reisegepäck gehört. Wird das Trainingslager nicht in den Süden verlagert, sondern für die MTB-Fans in die Alpen, könnte sich auch eine Blockhütte anbieten. Für die eher spartanische Variante in den Bergen bedeutet das mitunter,  eine eigene Isomatte u. a. m. mitzunehmen. Legt man das Trainingslager komplett in fremde Hände, bieten sich Radreisespezialisten wie Wikinger Reisen  an. Diese Anbieter buchen Unterkünfte, transportieren Gepäck und planen Routen.

Auf Mallorca oder den Kanaren bieten sich Hotels mit Halbpension an. Morgens und abends kann am Buffett ordentlich zugeschlagen werden. In der Mittagszeit befindet man sich ohnehin auf dem Bike, weshalb eine Vollpension nicht benötigt wird.

 

4. Welche Ziele und Ambitionen hat die Trainingslager-Gruppe?

Man sollte sich vor der finalen Buchung des Trainingslagers bei den Mitreisenden oder dem Camp-Organisator informieren, was die Ziele des Trainingslagers sind und welche Geschwindigkeitsgruppen vor Ort angeboten werden. Es sind schon Freundschaften zerbrochen, weil die Freunde mit unterschiedlichen Erwartungen ins Trainingslager aufgebrochen sind. So kommt es vor, dass man selbst eifrig trainieren will, sich vielleicht sogar Ziele setzt, aber der Rest der Truppe weniger ambitioniert ist. Fährt man ständig über seinem Leistungsniveau oder Grundlagenbereich, gelangt man im schlimmsten Falle in ein Übertraining.

 

5. Welche Anreisekosten fallen beim Transport mit dem eigenen Rad an?

Ein Trainingslager geht ins Geld. Neben den reinen Flugkosten können weitere Anreisekosten auf die Radfahrer zukommen. So entstehen auf jeden Fall Extrakosten für das Fahrrad. Unabhängig, ob man ein Rennrad vor Ort im Fahrradverleih ausleiht oder ob man sein eigenes Rennrad in das Trainingscamp mitbringt.

Für den Fall, dass man mit seinem eigenen Bike fahren möchte, sollte man damit rechnen, dass die Fluggesellschaften erhebliche Gebühren für die Mitnahme von Fahrrädern erheben. Innerhalb Europas belaufen sich die Kosten in etwa auf 50-100 Euro pro Strecke und Fahrrad. Bei Flügen außerhalb Europas werden da auch gerne mal 100-150 Euro pro Strecke fällig. Allerdings gibt es auch Airlines, z. B. Emirates, die mit einer sogenannten Freigepäckgrenze arbeiten. Es ist innerhalb der Freigepäckgrenze quasi egal was man transportiert. Wichtig ist nur, dass man dabei in den dafür vorgesehenen Abmessungen und Gewichtsgrenzen bleibt. So ist es durchaus möglich, dass der Transport eines Fahrrades im Flugpreis inbegriffen sein kann. Das bedeutet dann aber eine Einschränkung beim übrigen Gepäck, für das dieselbe Freigepäckgrenze gilt. Zu beachten sind also einerseits die Freigepäckgrenze und die Anzahl der Gepäckstücke.

 

Tipp: Eurowings bieten eine kostenfreie Mitnahme von Fahrrädern und Sportgepäck aller Art an. Dafür muss die Buchung über die Eurowings Kreditkarte erfolgen. Diese kann für 19,99€ Jahresgebühr beantragt werden. 

 

Zusätzlich zu den Gepäckkosten, benötigt man eine Radtasche oder einen speziellen Radkoffer, um das Fahrrad unbeschadet in die Zielregion zu bringen. Diese Transporttaschen oder -koffer kann man entweder leihen oder kaufen. In meinen Augen lohnt sich der Kauf eines Koffers von Vaude oder Thule (ab 150 Euro bis 550€), wenn man häufiger mit dem Fahrrad verreist.  E-Bikes werden aufgrund des Akkus meist nicht transportiert.

Neben den genannten Kosten, kommen je nach Reise weitere Kosten hinzu. Ein Mietwagen bei eigener Anreise oder ein Hoteltransfer müssen bedacht werden. In kleine Mietwagen passen logischerweise nicht alle Fahrradkoffer, daher muss auf die Größe des zu leihenden Fahrzeugs geachtet werden. Sollte eine Hoteltransfer in der Reise inkludiert sein, sollte man das Fahrrad in jedem Falle vorher anmelden.

 

6. Wie hoch sind die Kosten für ein Mietrad?

Die Kosten eines Mietrades variieren nach Ort, Reisezeitraum, Verfügbarkeit und Ausstattung des Bikes. Aus meiner Erfahrung liegen die Preise für eine Woche bei 80-110€. Hierfür erhält man ein Rennrad mit einer Shimano 105- oder Shimano Ultegra-Ausstattung und einem Alu-Rahmen. Für ein Carbon-Rennrad steigen die Leihpreise auf 110-140€ pro Woche. Wirklich wichtig ist, im Vorhinein die Verfügbarkeiten vor Ort zu prüfen und sich das Fahrrad rechtzeitig zu reservieren.

Logisch, dass es sich auf dem eigenen Bike, mit der richtigen Sitzposition, natürlich immer noch am besten fährt.

 

7. Ist mein Rennrad fit für das Trainingslager?

Bevor man sich mit seinem Fahrrad in die Ferne aufmacht, sollte man sich vergewissern, dass das Fahrrad und die eigene Ausrüstung funktionsfähig sind und es auch zum avisierten Trainingslager passt. Insbesondere wenn das Fahrrad den Winter über im Keller gestanden hat und nicht gewartet wurde, sollte man die Wartung  vor dem  Trainingslager durchführen. Nichts ist vor Ort nerviger als eine Panne bei der ersten Ausfahrt . Daneben macht es Sinn, an Ersatzteile zu denken, die es vor Ort möglicherweise nicht so einfach zu beschaffen gibt. Es ist immer ratsam zwei, drei Schläuche, Fahrradmäntel und Bremsbeläge mitzunehmen. Ein kleines Fläschchen Öl (25 ml) vermeidet Ärger am Flughafen.

Auch die Wahl der Übersetzung sollte bedacht werden. Fährt man daheim eine Standardkurbel mit 53/39 Zähnen, ist für bergige Orte oder den Wiedereinstieg eine Kompaktkurbel mit 50/34 Zähnen vielleicht sinnvoller.

 

8. Wie ist der Verkehr in der Region? Was gibt es für Regeln?

Auch über den Verkehr und seine Regeln im Zielland lohnt es sich, im Vorlauf der Reise nachzudenken. Auf Mallorca, den Kanaren oder der Toskana haben die Einwohner bereits viel Erfahrung mit Fahrradfahrern. Geht es in exotischere Radregionen, ist ins Auge zu fassen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer es nicht gewohnt sind, die Straße mit Radfahrern zu teilen. Dort kann es Sinn machen,  sich vor Antritt der Reise, über regionale Verkehrsgewohnheiten zu informieren. Auch gelten in anderen Ländern andere Verkehrsvorschriften, in die man sich kurz einlesen sollte, um Ärger zu vermeiden. In Ländern, in denen links gefahren wird, gilt es, gewohnte Mechanismen abzulegen. Es ist mir schon passiert, dass ich meiner Routine folgend bei einer Trainingsausfahrt in den Gegenverkehr geraten bin.

 

9. Was nehme ich an Bekleidung mit?

Pflicht für eine Woche im Süden sind zwei oder drei Radsets, bestehend aus Radhose, Radtrikot und Radsocken. Zudem ein paar Radschuhe und ein Fahrradhelm. Da es morgens noch recht kühl sein kann, bieten sich Arm- und Beinlinge an. Diese können später schnell in der Trikottasche verschwinden. Überschuhe, Handschuhe und Mütze können bei niedrigen Bedingungen auch sinnvoll sein. Schaut euch dazu meinen Beitrag über das Zwiebelprinzip und Temperaturbereiche bei der Fahrradbekleidung an.

 

10. Was muss bei der Ernährung beachtet werden?

Während eines Camps hat der Körper einen erhöhten Bedarf an Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten. Das Immunsystem ist durch das erhöhte Training und die anderen Temperaturen ohnehin beansprucht. Leere Kohlenhydratspeicher erhöhen die Infektanfälligkeit und führen zu einem weiteren Abbau der Leistung. Gerade während den Ausfahrten sollte auf eine stetige Zufuhr von Kohlenhydraten (in Form von schnell verfügbarem Zucker) geachtet werden. Mir hilft dabei folgende Faustformel: 1g Kohlenhydrate / pro Kilogramm Körpergewicht / pro Stunde. Am Beispiel: Ein 70kg schwerer Mann benötigt 70 g Kohlenhydrate pro Stunde. Je nach Reiseland macht es Sinn, diese ergänzenden Snacks vor der Reise zu besorgen und mitzunehmen.

Euer Lucky Biker

Lucky Bike / Radlbauer Redaktion

Unsere Lucky Bike / Radlbauer Redaktion ist so vielfältig, wie unsere gesamte Unternehmensfamilie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen berichten über ihre Lieblingsthemen, schreiben News, berichten von Veranstaltungen oder testen regelmäßig Fahrräder, die wir in unseren Filialen oder im Online Shop anbieten. In der Redaktion sind unsere Kolleginnen und Kollegen versammelt, die vereinzelt Testberichte, Newsbeiträge oder informative Texte rund um das Thema Fahrrad schreiben. Die Testberichte unserer Redaktion spiegeln ihre Erfahrungen, Ergebnisse und Meinungen objektiv hier bei uns im Blog wider.