Ist Radfahren im Herbst und Winter gefährlicher als im Sommer?

Welche Zahlen liefern die Statistiken und was sagen die Experten?

Unbestreitbar ist, dass Fahrradfahren in der dunklen Jahreszeit anspruchsvoller ist als im Sommer: Kälte, Nässe, Laub, Glätte und Dunkelheit sind nicht unbedingt der beste Freund der Radfahrer. Aber ist Fahrradfahren im Herbst und Winter wirklich gefährlicher als im Sommer?
Eine eindeutige Antwort auf diese Frage lässt sich nicht geben. Fakt ist, dass Radfahrer im Herbst und Winter für ihre Sicherheit einiges beachten sollten – Beleuchtung, Bekleidung und Bereifung.
„Dass das Radfahren im Winter gefährlicher ist, als im Sommer, dafür gibt es keine Hinweise und auch keine Studien“, sagt Stephanie Krone, Pressesprecherin des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e. V.). Im Sommerhalbjahr passieren deutlich mehr Fahrradunfälle als im Winter – weil bei schönem Wetter natürlich mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind, als bei schlechtem Wetter, so Krone. Im Juli 2013 habe es beispielsweise über 14.000 verunglückte Fahrradfahrer gegeben – im Februar desselben Jahres nur etwa 2.800. Krone sieht noch einen weiteren Grund: „Wir vermuten, dass bei schlechten Witterungsverhältnissen generell vorsichtiger gefahren wird. Außerdem sind eher die etwas routinierteren Fahrradfahrerinnen und Fahrer unterwegs.“ Auch die Polizei kann zu dieser Fragestellung keine detaillierten Angaben machen. Dazu fehle einfach das Zahlenmaterial. Was man aber eindeutig sagen kann, ist, dass die Unfallhäufigkeit insgesamt abnimmt, so die Polizei.

Wir haben mal einen Blick in die Statistiken geworfen. Und ja, wir wissen, Statistiken…Sie sollen helfen, Sachverhalte objektiv darzustellen und die Welt in Bezug zur gestellten Frage besser zu verstehen. Aber klar ist natürlich, dass die Aussagekraft von Statistiken auf den zugrundeliegenden Daten basieren und extrem von deren Interpretation abhängig sind.

Deutschland: Zahl der im Jahr 2013 verunglückten und getöteten Radfahrer geht weiter zurück

2013 in Deutschland verunglückte Radfahrer:

  • Verletzte Fahrradfahrer 2013: 71.066 (2012: 74.776) -5 Prozent
  • Getötete Fahrradfahrer 2013: 354 (2012: 406) -12,8 Prozent
  • Beteiligte Radfahrer an Unfällen mit Personenschaden 2013: 77.439 (2012: 81.162) -4,6 Prozent
  • Insgesamt Beteiligte an Unfällen mit Personenschaden 2013: 561.504 (2012: 577.204) -2,7 Prozent
  • Bei Unfällen mit Personenschaden nach Art der Verkehrsbeteiligung waren Radfahrer zu 14 Prozent beteiligt, Fußgänger mit 6 Prozent, Autofahrer 64 Prozent, Motorräder mit 8 Prozent und andere Beteiligte mit 9 Prozent.
  • Bei Unfällen mit Getöteten nach Art der Verkehrsbeteiligung waren Radfahrer zu 6 Prozent beteiligt, Fußgänger mit 10 Prozent, Autofahrer 53 Prozent, Motorräder mit 12 Prozent und andere Beteiligte mit 19 Prozent.
  • Innerhalb von Ortschaften verunglückten 2013 über 80 Prozent der Radfahrer (53.311) bei Tageslicht, 2.982 bei Dämmerung und 8.286 bei Dunkelheit.
  • Auch außerhalb von Ortschaften verunglückten 2013 über 80 Prozent der Radfahrer (5.753) bei Tageslicht, 265 bei Dämmerung und 813 bei Dunkelheit.

Im Jahresverlauf 2013 verunglückten insgesamt 64.579 Radfahrer innerhalb von Ortschaften, nahezu zehnmal so viele wie außerorts:

Januar 2.143
Februar 1.951
März 2.473
April 4.888
Mai 6.270
Juni 8.312
Juli 9.830
August 8.098
September 6.746
Oktober 5.903
November 4.406
Dezember 3.559

Im Jahresverlauf 2013 verunglückten insgesamt 6.831 Radfahrer außerhalb von Ortschaften:

Januar 143
Februar 100
März 177
April 443
Mai 710
Juni 976
Juli 1.407
August 1.132
September 744
Oktober 506
November 265
Dezember 228

2013 starben auf deutschen Straßen 354 Radfahrer, 52 weniger als 2012. Davon starben in den Bundesländern:

Baden-Württemberg 51
Bayern 62
Berlin 9
Brandenburg 21
Bremen 2
Hamburg 2
Hessen 7
Mecklenburg-Vorpommern 13
Niedersachsen 54
Nordrhein-Westfalen 56
Rheinland-Pfalz 14
Saarland 5
Sachsen 21
Sachsen-Anhalt 17
Schleswig-Holstein 10
Thüringen 10

Quelle: Statistisches Bundesamt 2014

Hinweis der Redaktion: Ein Vergleich der Zahlen von Stephanie Krone (ADFC) mit denen des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass schon hier relevante Unterschiede vorliegen.

Um nun aber beispielsweise belastbare Aussagen über das Risiko des Radfahrens in bestimmten Jahreszeiten zu treffen, müsste man die Zahl der Verunglückten im jeweiligen Monat mit der Anzahl der Fahrenden ins Verhältnis setzen. Denn eines gilt als sicher: Die Verkehrsteilnahme und damit auch die Unfallhäufigkeit von Fahrradfahrern ist abhängig von saisonalen Aspekten. Schlechte Straßen- und Witterungsverhältnisse im Herbst und Winter, halten viele Radfahrer ab, ihr Fahrrad zu benutzen. Oft verschwindet es für die Wintermonate im Keller. Im Gegensatz dazu sind sie im Sommer umso häufiger unterwegs.

Dunkelziffer: Fahrradunfälle liegen deutlich darüber

Nach Einschätzung von Experten liegt die Zahl der nicht erfassten Fahrradunfälle deutlich über den Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Dies treffe nicht auf die genannten Unfälle zwischen Rad und PKW zu, auch nicht bei den Unfällen mit Schwerverletzten, denn hier wird in der Regel die Polizei gerufen. Die Dunkelziffer liegt aber dennoch höher, da leicht verletzte Radfahrer (z. B. durch Zusammenstöße mit Laternen oder Fußgängern) in den Statistiken nicht auftauchen. Denn diese werden schlicht selten gemeldet.

Eine Tendenz aber ist unbestreitbar: Im Vergleich zu 1992 zum Beispiel nahm die Zahl der getöteten Radfahrer – trotz der starken Zunahme des Radverkehrs innerhalb der letzten 20 Jahre – um 55,2 Prozent ab. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Wer sein Tempo und seine Fahrweise den Witterungsverhältnissen anpasst und auf die richtige Ausrüstung setzt, kann problemlos das ganze Jahr hindurch radeln. Stephanie Krone vom ADFC erwähnt noch einen weiteren Grund, auch den Winter durch zu radeln: „Gerade im Winter, wenn das Tageslicht fehlt und der Körper auf Sparflamme läuft, ist Radfahren zu empfehlen – denn es bringt Kreislauf und Immunsystem in Schwung, baut Stress ab und hebt die Stimmung“.