Der Lucky Biker: Cape Town Cycle Tour

„Schatz, wo möchtest du noch hinreisen, wenn du nur noch einmal reisen dürftest,” fragte ich meine Freundin. Prompt kam die Antwort: “Nach Kapstadt!”
Ich schaute direkt nach einem Radrennen in Südafrika und fand die Cape Town Cycle Tour in und um Kapstadt, die ich auch gleichzeitig für den Start in die Radsportsaison 2018 nutzen konnte.

Nachdem die (geplante) 40. Ausgabe der Cape Town Cycle Tour im vergangenen Jahr aufgrund unzumutbarer Windverhältnisse abgesagt werden musste, fand in diesem Jahr das 110 Kilometer lange Radrennens zum 40. Mal in Südafrika unter dem Motto „40 take 2“ statt.

Mit 35.000 Radfahrern, davon rund 3.500 internationalen Fahrern, zählt die Cape Town Cycle Tour zum größten Radrennen mit offizieller Zeitmessung.Der Lucky Biker bei der Cape Town Cycle Tour

Die Strecke

Am 11. März war es dann soweit. Der Start fiel am Rathaus von Kapstadt. Mittels ausgeklügelter Startaufstellung wurden die Fahrer nach und nach auf die Strecke gelassen. Die ersten Kilometer verliefen über die innerstädtische Autobahn in Richtung Kirstenbosch. Mit zwei strammen Anstiegen gestaltete sich die Strecke zu Beginn recht wellig. Weiter in Richtung Muizenberg flachte es ab und ich erreichte die Falsebay. Die Route verlief ab jetzt direkt parallel zur Küste. Am historischen Bahnhof von St. James vorbei, durch Kalkbay und Simon’s Town. Am nahegelegenen Boulders Beach laufen tatsächlich Pinguine am Strand herum. Sie gehören zu den am nördlichsten vorkommenden Pinguinen. Vom Fahrrad aus lassen sich die Vögel allerdings nicht erspähen. Neben den Pinguinen kann man mit etwas Glück auch Baboons (Paviane) erspähen, die ebenfalls direkt an der Küste leben.

Im Anschluss stieg die Küstenstraße ins Landesinnere an und ich kam am Smitswinkel vorbei. Hier hatte ich die Hälfte der Strecke bereits zurückgelegt. Bei der folgenden Abfahrt passierte ich die Zufahrt zum Cape Point und eine Straußenfarm, welche zum Verweilen einlädt, wenn man nicht gerade bei einem Rennen unterwegs ist.

Leicht abschüssig verliefen die Straßen durch Eukalyptusalleen und brandgerodete Flächen bis Scarborough. Die darauf folgende Küstenstraße an den Misty Cliffs war von Surfer-Stränden gekennzeichnet und die Gischt brandete an die Felsen. Es war nun deutlich windiger und kühler. Wieder stieg die Straße leicht an und führte über Ocean View nach Noordhoek. Hier durchfuhr ich die ärmeren Randbezirke Kapstadts.

Cape Town Cycle Tour 2Für die letzten 34 Kilometer ging es zum nächsten Anstieg nach Chapman Peak. Dies stellte das – in meinen Augen – schönste Teilstück des Rennens dar. Die Straße schlängelte sich durch die felsige Küste und ist in die ins Meer abfallenden Felsen hineingeschlagen. Hier überschritt die Steigung die fünf Prozent und ich musste den Anstieg mit fleißiger Kurbelarbeit über rund vier Kilometer meistern, bevor ich die Passhöhe Chapman’s Peak überfahren konnte.

Die folgende Abfahrt war mehr als die verdiente Belohnung, denn dort wartete ein atemberaubender Blick auf die Houts Bay auf mich. Ein nettes Fischerörtchen, in dem  man gute Fish & Chips bekommt. 19 Kilometer vor dem Ziel erfolgte der letzte Anstieg. Der Suikerbossie zieht sich vier Kilometer über eine vierspurige Straße mit konstanten fünf Prozent Steigung. Ich hatte die komplette Zeit den gesamten Anstieg im Blick – was es nicht unbedingt einfacher macht. Psychologisch erschwert der freie Blick den Anstieg umso mehr. Über eine 14km lange Abfahrt bis nach Kapstadt war für mich ausrollen angesagt. Andererseits eine gute Gelegenheit, noch einmal alles zu geben, um an seiner Platzierung zu arbeiten. Durch Champs Bay und Sea Point erreichte ich die Zielgerade am Stadion, welches extra für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika 2010 fertig gestellt wurde. Eine herrliche Kulisse für eine Zieleinfahrt.

 

„Eine 110 Kilometer lange Strecke mit rund 1.700 Höhenmetern und landschaftlich sehr reizvoll“

Das Fahrerfeld

Die 35.000 angemeldeten Starter fuhren mit Mountainbikes, Rennrädern, Citybikes und Liegebikes, sowie Handbikes. E-Bikes habe ich keine gesehen. Abgesehen von den Profis, ging es den übrigen Fahrern wohl eher darum, die Strecke zu bewältigen und erlebnisorientiert zu fahren. Das macht auch die besondere Stimmung der Cape Town Cycle Tour aus. Sie glich einem großen Fahrradvolksfest. Jeder der ein Fahrrad in der Garage stehen hat, konnte an den Start geht. Jedoch war die ungeübte Herangehensweise auch der Grund, weshalb ich unterwegs unzählige Stürze gesehen habe. Am Tag nach dem Rennen stand in einer Tageszeitung aus Kapstadt, dass drei Fahrer bei Unfällen während des Rennens ihr Leben gelassen haben. Das ist sehr traurig!

 

Die Organisation

Die Organisation des Rennens war vorbildlich und gut strukturiert. Einzig das Bedrucken der Startunterlagen ist am ersten Tag etwas falsch gelaufen und so wurden die vorperforierten Aufkleber falsch bedruckt. Kein Problem für das Team vor Ort, die den Fehler schnell behoben und neue Unterlagen druckten. Insbesondere in Bezug auf die Masse an Startern hatte ich so meine Zweifel, wie das geschmeidig von Statten gehen sollte. Wie sollte das bei der Startunterlagenausgabe, im Startbereich und auf der Strecke ohne Stau funktionieren?! Tatsächlich hatte jeder Fahrer im Vorhinein eine Startzeit sowie einen Startblock zugewiesen bekommen. Im Startbereich, der groß genug war, um dem Starterfeld gerecht zu werden, fand ich mich schnell in meinem Startblock ein. Meine Startzeit war auf 8:18 Uhr angesetzt und pünktlich um 8:18 Uhr ging es los. Einfach spitze! Erst später während des Rennens wurde klar, wie gut man mit der großen Gruppe kalkulierte, denn zu keiner Zeit waren die Straßen überfüllt. Die ersten Fahrer starteten bereits um 6:30 Uhr von dort ging es in Wellen bis 10:00 weiter.

 

Die Stimmung an der Strecke

Die Stimmung sowohl im Fahrerfeld als auch am Straßenrand der Cape Town Cycle Tour war großartig. Locker und gelöst gingen die Fahrer die anstehenden 110 Kilometer an. Von Aggression und überambitionierter Verbissenheit keine Spur. In jeder Ortschaft versammelten sich Zuschauer am Straßenrand, um die Fahrer anzufeuern. Kinder wollten abgeklatscht werden, es gab viele Gesangseinlagen, tanzende Cheerleader-Gruppen und Technobeats. Selten habe ich bei einem Radrennen ein so mitfieberndes Publikum erlebt.

 

Fazit der Cape Town Cycle Tour

Cape Town Cycle Tour 1Mit viel Skepsis bin ich zum Start des Rennens gerollt. Ich wurde eines Besseren belehrt, meine Skepsis war unbegründet. Die Cape Town Cycle Tour hat alles, was ein Radrennen haben muss. Es hätten für meinen Geschmack ein paar Kilometer mehr sein können, aber für den Start in die Saison war die Länge genau richtig. Ich konnte die Strecke in 3 Stunden und 21 Minuten absolvieren und wurde damit 3.179. von 26.171 Fahrern (die genaue Strecke seht ihr hier auf meinem Strava-Profil). Das entrichtete Startgeld von umgerechnet 70 Euro wird seitens der Organisatoren für gemeinnützige Zwecke verwendet.

Zwecks Akklimatisierung und Vorort-Training bin ich schon eine Woche vor Rennbeginn nach Kapstadt gekommen.

Rund um Kapstadt empfand ich die Trainingsbedingungen aufgrund des starken Verkehrs und der wenigen Streckenalternativen leider nicht ideal. Trotz allem: Die Stadt ist traumhaft schön, die Leute ausgesprochen nett und gelassen, der Wein und das Essen unfassbar gut.

Also, alles in allem war das eine ganz tolle Fahrradsause, an die ich mich wohl noch lange erinnern werde. Dieses Fahrrad-Abenteuer ist aus meiner Sicht absolut empfehlenswert!

Euer Lucky Biker

Der Lucky Biker

Lucky Bike / Radlbauer Redaktion

Unsere Lucky Bike / Radlbauer Redaktion ist so vielfältig, wie unsere gesamte Unternehmensfamilie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen berichten über ihre Lieblingsthemen, schreiben News, berichten von Veranstaltung oder testen regelmäßig Fahrräder, die wir in unseren Filiale oder im Online Shop anbieten. in der Redaktion sind unsere Kolleginnen und Kollegen versammelt, die vereinzelt Testberichte, Newsbeiträge oder informative Texte rund um das Thema Fahrrad schreiben. Die Testberichte unserer Redaktion spiegeln ihre Erfahrungen, Ergebnisse und Meinungen objektiv hier bei uns im Blog.