Der Lucky Biker: Brocken Benefiz Sternfahrt

In zwei Anläufen von Düsseldorf zum Brocken

Bei der Brocken Benefiz Sternfahrt werden die Startgelder der einzelnen Fahrer gemeinnützigen Organisationen gespendet. Aus Leipzig, Hannover und Berlin kommen Rennradfahrer in einer Sternfahrt zum Brocken und fahren vom Fuße des Brocken gemeinsam hinauf, ganz nach dem Motto: Radeln, etwas Gutes tun und Spaß haben. Da war für mich sofort klar, dass ich dabei bin!

Der Lucky Biker: Brocken Benefiz Sternfahrt

Von Düsseldorf aus zu starten, hatte für mich besonderen Reiz. Über Gpsies legte ich den Track für die Route an und fieberte dem Moment entgegen, an dem ich die 350 Kilometer in Angriff nehmen konnte. Der Reiz für mich war daran, dass ich abends um 21:30 Uhr losfahren und durch die Nacht radeln musste, um am nächsten Nachmittag um 14:30 Uhr im Harz anzukommen. Geplant war, dass meine Freundin dann am nächsten Morgen mit dem PKW hinterherfährt und mich mit Kaffee versorgt. So konnte sie zumindest in der Nacht schlafen.

Im Dunkeln durch den Wald

Ich fuhr also los. In der Dämmerung passierte ich Wuppertal und Gevelsberg. Dort versorgte mich ein Radkumpel noch mit einer Banane, mit Wasser und einem Müsliriegel. Nach ein paar Worten setzte ich die Fahrt in Richtung Hagen fort. Ich wusste, dass ich mich ab Ortsausgang von Hagen nicht mehr auskenne, da ist dann auch das Ende meines Rennradreviers. Inzwischen war es dunkel und die Temperaturen waren angenehm kühl. Dann kam der erste unbekannte Abschnitt, der mich auf einem modrigen Weg tief in einen Wald hineinführte. Es war so dunkel, dass ich wirklich nur das erkennen konnte, was im Lichtkegel meiner beiden Aufstecklämpchen zu sehen war. Nicht mehr, nicht weniger. Das Navigationsgerät verriet mir Kurven und den Verlauf des Weges. Was für ein Horror. Mir war mulmig. Schwupps war ich auch wieder aus dem Wald herausgefahren und befand mich auf einer Landstraße. Im Wannebachtal bei Schwerte hat mich das Navigationsgerät dann in den Sumpf geführt. Die dünnen Rennradreifen setzten sich mit Matsch zu und ein Fortkommen wurde massiv erschwert. Es hieß also umkehren für mich und einen großen Bogen um dieses Gelände machen. Dann war ich wieder auf meinem Track zurück. Nach ein paar Kilometern nahmen die mit Geröll und Kiesel überzogenen Feldwege zu. Ein paar Meter kann man darüber mit Rennradreifen fahren. Allerdings besteht ständig die Gefahr, dass man sich spitze Steine in den Mantel haut und einen Platten bekommt. Aufgrund der Dunkelheit war ein drumherum Manövrieren nicht möglich.

Der Lucky Biker: Brocken Benefiz Sternfahrt

Die Luft ist raus

So war ich dann weit nach Mitternacht auch wieder einmal auf einem solchen Rumpelweg unterwegs und da passierte es. Ich hörte ein feines Zischen und spürte, wie ich nur noch auf der Felge fuhr. Ein kurzer Blick auf das Mobiltelefon zeigte mir einen gerade geschriebenen Gutenachtgruß meiner Freundin an, der ich dann erstmal meinen Schaden meldete. Ich tauschte meinen Schlauch aus, legte eine Druckluftkartusche in die dazugehörige Pumpe und schraubte sie zu. Die Luft entwisch komplett, ohne sie für mich nutzen zu können. Der Puls stieg an. Gut, dass ich noch eine zweite Kartusche dabei hatte. Diese legte ich ohne Probleme ein und pumpte den Reifen auf. Leider entwich aber recht viel Luft links und rechts vom Ventil, sodass der Reifen nur halb gefüllt war. Ich wusste, dass ein Weiterfahren durch die Nacht äußerst schwer würde und es im Grunde keinen Sinn ergab, die Fahrt fortzusetzen. Erstens hätte ich extrem viel Kraft aufwenden müssen und zweitens wäre ich auf der unglaublich langen Tour zudem immer langsamer geworden. Für mich stand fest, dass ich wieder eine ganz normale Handminipumpe ans Fahrrad anbringen werde, denn sie funktioniert immer, es müssen keine Kartuschen gekauft werden, die nur einmal verwendbar sind und man schleppt weniger Gewicht mit sich herum. Manchmal ist die traditionelle Art immer noch die beste.

Nachts sind alle Katzen grau

Also fragte ich meine Freundin, ob sie mich abholen könne, was sie dann auch tat. Ich kauerte sodann unter einem Baum irgendwo im Nirgendwo und wartete. Die Zeit unter dem Baum um ungefähr 2:00 Uhr nachts war sehr interessant. Man hörte immer wieder Tiere, wie sie schnauften, pinkelten oder fraßen. De facto konnte ich gar kein Tier sehen, aber ihre Präsenz war eindeutig zu hören. Meine Freundin sammelte mich ein und wir fuhren nach Hause. Ich lag also um 3:30 Uhr wieder in meinem Bett. Ein wenig enttäuscht war ich schon, dass mein Plan nicht aufzugehen schien.

Der Lucky Biker: Brocken Benefiz Sternfahrt

Plan B

Ich wusste aber, dass ich es dabei nicht belassen kann. Um 8:00 Uhr am nächsten Morgen stand ich nach vier Stunden Schlaf wieder auf. Der Plan war jetzt, deutlich näher an den Brocken heranzufahren und wenigstens den Berg zu erklimmen. So viel war ich der Benefiz Sternfahrt schuldig und außerdem wollte ich immer schon mal den Brocken bezwingen.
Von Lippoldsberg an der Weser brach ich auf. Ich dachte, es seien ja nur maximal 80 Kilometer und dann würde ich in etwa pünktlich am Treffpunkt in Elend ankommen. Schon nach den ersten Kilometern landete ich wieder auf Geröllpisten. Diese sind gänzlich ungeeignet für Rennräder, aber ich wollte ja unbedingt meinen geplanten Track abfahren. Ja, und so fuhr ich mir den nächsten Platten in die Reifen. Da war ich dann kurz davor, mich im Fahrradweitwurf zu üben, konnte ich mich an die Rechnung des Rennrades erinnern und unterließ diesen Blödsinn und konzentrierte mich auf die Schadenbeseitigung.

Schon wieder Schotter

Es ging weiter. Inzwischen war ich im Harz angekommen, es war bereits nach 16:00 Uhr und es fehlten noch mehr als 30 Kilometer. Den wahren Anstieg auf den Brocken nahm ich dann in Angriff. Mit dem Auto konnte meine Freundin mir nicht folgen. Sie musste weit außen herumfahren, da mich mein Navigationsgerät durch ein Naturschutzgebiet lotste, wo es wieder einmal nur Geröllpisten mit 15 Prozent Steigung zu überwinden galt. Immer wieder dachte ich daran, was das für eine Odyssee ist und dass ich den Anstieg auf den Brocken ganz sicher nicht auf dem Silbertablett serviert bekomme. Aber ganz sicher war ich mir, dass ich vor diesem Berg, was auch immer da noch kommen mag, nicht in die Knie gehen und aufgeben werde. Da werde ich hinaufkommen.

Der Lucky Biker: Brocken Benefiz Sternfahrt

Die letzten Meter

Noch sieben Kilometer. Wieder zunächst über eine Geröllpiste, dann wurde der Weg richtig felsig und mir wurde der Anstieg mit dem Rennrad noch mehr erschwert. Es folgten Plattenwegabschnitte, in deren Rillen ich drohte, mich festzufahren. Ich brauchte also großes Geschick und das bei enormer Steigung des Weges. Die letzten drei Kilometer wurden dann versöhnlich, da ich endlich Straße fahren durfte. Endlich war ich oben angekommen. Alle Benefiz Sternfahrer waren bereits weg, es war 18:30 Uhr, ich hatte 120 Kilometer auf dem Tacho und genoss die tolle Aussicht.

Was für eine mühevolle Fahrt über zwei Etappen (Nachtfahrt 76 Kilometer und Tagfahrt 120 Kilometer, also fast 200 Kilometer und 2.700 Höhenmeter). Sie war landschaftlich immer sehr schön, aber von A bis Z von mir schlecht geplant. Die Hauptfehler waren, dass ich mir zu viel vorgenommen, das falsche Fahrrad für die Nachtfahrt gewählt und die Tour mit der falschen Plattform geplant hatte. Danke an meine Freundin für Nerven aus Stahl! Alles in allem zählt, dass ich nicht aufgegeben habe und doch eine schöne Fahrradtour hatte, wenngleich sie nicht einfach war. Aber einfach kann jeder 🙂

Der Lucky Biker: Brocken Benefiz Sternfahrt

Mehr Bilder von den anderen Teilnehmern der B-rocken Charity Sternfahrt gibt es hier.

Lucky Bike / Radlbauer Redaktion

Unsere Lucky Bike / Radlbauer Redaktion ist so vielfältig, wie unsere gesamte Unternehmensfamilie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen berichten über ihre Lieblingsthemen, schreiben News, berichten von Veranstaltung oder testen regelmäßig Fahrräder, die wir in unseren Filiale oder im Online Shop anbieten. in der Redaktion sind unsere Kolleginnen und Kollegen versammelt, die vereinzelt Testberichte, Newsbeiträge oder informative Texte rund um das Thema Fahrrad schreiben. Die Testberichte unserer Redaktion spiegeln ihre Erfahrungen, Ergebnisse und Meinungen objektiv hier bei uns im Blog.